Pokhara - Chitwan by bicyle

Vorgestern bin ich im Chitwan National Park angekommen. Auf dem Weg hierher habe ich die Gelegenheit genutzt und habe vier Tage und Nächte hintereinander endlich wieder draußen in der freien Natur verbracht. Einfach genial. Die Ruhe. Die Nähe zur Fauna, Flora und der Tierwelt. Zu den netten und hilfsbereiten Menschen hier in Nepal.

Mittwoch, 15. November

 

Die Suche nach einem Zeltplatz am Spätnachmittag gestaltet sich schwer. Zwei unübersehbare Warnschilder machen mich unmissverständlich darauf aufmerksam, daß es hier richtig viele Cobras gibt. So kommt es mir nicht ungelegen, als ich auf einem unbebauten Grundstück einer Hindufamilie mein Nachtlager aufschlagen darf.

 

16. November

 

"Angst lähmt und Angst lässt uns zögern, und sie ist etwas, was wir alle haben...daher musst du Jahr für Jahr...einen Prozess der psychischen und physischen Vorbereitung durchlaufen. Der körperliche Teil ist relativ einfach...aber der psychische Teil ist wesentlich schwieriger, weil du dich deinen alten Ängsten erneut stellen und sie besiegen musst."

 

(Jim Howe, Big Wave Surfer in "Eddie would go - die Geschichte von Eddie Aikau)

 

 

Als ich den obigen Platz entdeckt hatte, habe ich lange abgewogen, ob ich es wagen sollte, hier mein Zelt aufzubauen. Ein Fehltritt wäre der letzte gewesen, da es locker hundert Meter steil nach unten ging. Lange saß ich dort um die Sache ganz ruhig anzugehen, legte mir eine Aufbaustrategie zurecht und nahm mir eisern vor, alle meine Packtaschen links zwischen Zelt und Mauer hindurch zum Zelteingang zu tragen. Trotzdem stolperte ich einmal über eine der Abspannleinen, aber wie gesagt auf Mauerseite. Dann nahm ich mir vor, wenn möglich nachts nicht pinkeln zu gehen, was auch gut klappte, da ich am Abend nicht viel trank.

 

Als das alles ganz gut zu funktionieren schien und ich schon in meinem Zelt lag, hatte ich plötzlich Angst vor einem Erdbeben oder einem Erdrutsch. Zu guter Letzt kam mir dann noch die Idee, was für ein bescheidener Zufall es wohl wäre, wenn genau vor der Kurve ein Truckfahrer einschlafen würde, die Mauer durchbrechen und mich im Schlaf in die Tiefe reißen würde.

 

Unser Geist ist manchmal unsere selbst kreierte Hölle...

 

17. November

 

Am nächsten Morgen wache ich lebend auf;-).

 

Putzmunter radel ich los und finde mich nach wenigen hundert Metern inmitten von zig Kindern wieder, die spielend auf ihren Schulbus warten. Da ist so viel Spaß und Leben versammelt, da muß ich mich dazu gesellen. Ich kann mir keinen besseren Platz für meinen Frühstückstee vorstellen. Ich setze mich auf die einzige Bank weit und breit und gebe meine Bestellung auf. Schwer beeindruckt von den Werf- und Fangkünsten der Kleinen wärme ich meine kalten Finger an dem heißen Metallbecher. Der vermeintliche Ball entpuppt sich als Sammelsurium unzähliger kleiner Gummidichtringe, die man irgendwie zusammengebunden hat. Die vier wichtigsten Knirpse lassen sich auf meine Nachfrage hin bereitwillig in cooler Pose ablichten. Dann biegt der Schulbus um die Ecke und damit ein ohrenbetäubendes Geschrei der kindlichen Insassen.

 

Ich wette mein nicht vorhandenes Vermögen, daß jedes einzelne Nepalesenkind in diesem Bus tausend mal mehr Spaß hat, als jedes westliche "Wunderkind" auf der Rücksitzbank des SUVs seiner Helikoptereltern.

 

Anders kann ich mir nämlich nicht erklären, warum ich seit Wochen aus jedem Schulbus in Nepal dieselben Jubelstürme hören darf. Und das obwohl die Bushaltestellen für die Kinder hier oft bis zu zwei Stunden Fußmarsch entfernt sind. Einfache Strecke wohlgemerkt. Auch die Schulinform scheint dem Spaß am Lernen keinen Abbruch zu tun.

 

Früh am Vormittag erreiche ich Tansen und bin wieder mal überrascht, wie sich die Geschmäcker unterscheiden. Jedenfalls quäle ich mich auf Empfehlung eines anderen Radlers bis ins Zentrum hoch und stelle fest, daß sich das für mich nicht gelohnt hat. Darjeeling liegt ähnlich exponiert, hat mir aber auch viel besser gefallen.

 

 

Also stürze ich mich in die lange Abfahrt von den Hills runter ins Terai (das Flachland von Nepal) wo mein Ziel Butwal heißt. Dort angekommen, entscheide ich mich gegen Lumbini, weil ich die Faxen echt dicke habe. Endgültig. Mir sind diese Touristen- und Backpacker "muß-man-gesehen-haben-Ziele" mittlerweile so was von zuwider. Ich muß gar nichts. Nur sterben. Außerdem war ich schon vor neun Jahren dort am Geburtsplatz von Buddha. Allein der Gedanke an die Menschenmassen macht mir die Entscheidung leicht.

 

Mir gibt es viel mehr einfach unterwegs zu sein. In Dörfern anzuhalten. Mit Einheimischen zu lachen. Das authentische Leben zu erleben.

 

Dal Baht statt Burger mit Pommes. Nepali anstatt english. Fahrrad anstatt Bus oder Jeep. Zelt anstatt Hotel. Ruhe anstatt Lärm. Grün anstatt Grau. Sternenhimmel anstatt Smartphone. Ungewissheit anstatt Buchungsbestätigung. Katzenwäsche anstatt Wellnesslandschaft.

 

Gesellschaft bekommt man früher oder später sowieso auf dieser dicht bevölkerten Welt. So wie am Abend in dem weitläufigen Waldgebiet, in dem ich mein Zelt aufbaue, nachdem ich gut und gerne eine halbe Stunde lang den perfekten Platz gesucht habe. Eben, nicht zu nahe am Wasser (wegen der Schlangen), mit gutem Ausblick und abgelegen. Denke ich. Denn kurze Zeit später werde ich bereits von drei jungen Männern zum kiffen eingeladen. Ich lehne dankend ab. Später, die Jungs sind immer noch in Sichtweite, frage ich höflich, ob sie mir nicht mit ihren Mopeds ein eiskaltes Bier organisieren könnten.

 

Damit ist mein Abend auch in trockenen Tüchern...

 

18. November

 

Der nächste Tag bringt nochmals einen netten Anstieg von fast 500 Höhenmetern am Stück. Am Anfang geht es heftig steil nach oben. Mehrere Truckfahrer bekommen Mitleid mit mir und halten an, um mich und mein Bike mitzunehmen. Dankend lehne ich ab. Die Belohnung folgt nach dem Mittagessen kurz nach der Passhöhe. Nahezu die ganze Abfahrt und Auffahrt von der anderen Seite ist ein einziger Stau. Infolge eines verunglückten Trucks geht nichts mehr. Innerlich grinsend rase ich an hunderten von Trucks, Bussen und sogenannten Auto"mobil"en vorbei.

 

 

Mein Tag endet spät. Nach mehr als 85 Kilometern entscheide ich mangels Alternativen in einem Hindutempel zu fragen, ob ich mein Zelt hier aufbauen darf. Die beiden Hindus stimmen zu. Als Krönung wartet sogar eine gut gefüllte Obstschale auf mich.

 

Die Menschen sind gut. Die Welt ist gut. Das Leben ist gut.

 

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