Annapurna by bicycle - 12. Thorong Phedi BC - Thorong Phedi Highcamp

23rd of october 2017

 

First look outside. Doesn't look like I actually ordered it. Have I perhaps expressed myself in some kind of ambiguous way?

 23. Oktober 2017

 

Der erste Blick nach draußen. Sieht nicht so aus, wie ich es eigentlich bestellt hatte. Habe ich mich vielleicht irgendwie unklar ausgedrückt?


 

Not that I know of. They just wouldn't listen to me. That must have been it. However. Anyway, far and wide no trace of clear visibility, blue sky and sunshine.

Instead, it is something like snow or hoarfrost on the surrounding mountains and early morning fog swathes of mist up the slopes. I turn around again and cuddle up in my super warm expedition sleeping bag. They're not that far out. I just have to give them a little time. There is really a lot of work involved in arranging the whole thing in such a way that everyone is satisfied.

Twenty minutes later, I look again. Slightly better, but not by a long shot as I had visualized it in my head. Early morning fog wafting up the mountains, doesn't that mean dream weather? Or was it the shreds of cloud after a rain? Meteorology combined with wishful thinking. Result: doubts in all mindsets.

Then i'll go to the toilet and showers. Inconceivably, I didn't only get by far the most beautiful room up here, but as a bonus package I also got a regular western toilet. How I love it!

Sit down and relax comfortably instead of being stuck in a squat and hoping that you don't fall backwards into the first big result of your efforts when you clean your butt and that you might get scratched by the rough walls.

Not to mention getting back up again after the work is done. After all, I have not only the longest part of the trek, but also my life behind me and according to statements of some demigods in white severe arthrosis in both knee joints. In any case, especially in the morning, when the lone wolf wants to get into gear, this is anything but supple.

Then suddenly I realize why it doesn't look like what I would like to have today. The sun is missing! I could have figured that out. The warming rays dissolve the fog fields and behind them the blue sky appears. Yesss! This is what the script must look like.

Hope dies last and while she is dying on her deathbed or resurrected, I go for breakfast. Vegetarian omelette and black, unsweetened coffee. After that, they'll have pulled up the sun. Routine work - nothing more.

So either the strikes, they're on company outings or it's a holiday. Anyway, the weather doesn't improve as long as I push the egg food between my teeth to flush it down with enough liquid caffeine.

 

The situation is serious and requires extraordinary measures that can only be decided in the presidential suite. Notice it after a detailed brainstorming with myself. I do not stay until 9 a. m. and decide to my own surprise the immediate departure to Highcamp. So easy from the inside out.

Sometimes you just have to provoke fate. Then it gets angry and laughs at you. So it is today. As soon as I have turned into the steep path above the guesthouse, the sun comes through.

 

 

Nicht daß ich wüßte. Man hat mir einfach nicht zugehört. Das wird es gewesen sein. Wie auch immer. Jedenfalls weit und breit keine Spur von klarer Sicht, blauem Himmel und Sonnenschein.

 

Stattdessen so etwas wie Schnee oder Rauhreif auf den umliegenden Bergen und immer wieder Frühnebelschwaden, die die Hänge hoch ziehen. Ich drehe mich nochmal um und kuschle mich in meinen superwarmen Expeditionsschlafsack. Die sind noch nicht so weit da draußen. Man muß ihnen einfach noch ein bißchen Zeit geben. Steckt ja auch wirklich richtig viel Arbeit drin, das Ganze so zu arrangieren, daß alle zufrieden sind.

 

Zwanzig Minuten später schaue ich erneut nach. Geringfügig besser, aber noch lange nicht so, wie ich es in meinem Kopf visualisiert hatte. Frühnebel, der die Berge hoch wabert, bedeutet das nicht Traumwetter? Oder waren das die Wolkenfetzen nach einem Regen? Wetterkunde verquickt mit Wunschdenken. Ergebnis: Zweifel in allen Denkrichtungen.

 

Dann eben WC und Duschen. Unfassbarer Weise habe ich nicht nur mit Abstand das allerschönste Zimmer hier oben bekommen, sondern als Bonuspaket auch noch eine Sitztoilette. Wie ich es liebe!

 

Gemütlich niederlassen und entspannen, anstatt krampfhaft in der Hocke zu verharren und darauf zu hoffen, dass man spätestens beim Hintern putzen nicht rückwärts in das erste große Ergebnis seiner Bemühungen stürzt und sich dabei vielleicht noch Schürfwunden,  verursacht durch die rauen Wände zuzieht.

 

Ganz zu schweigen vom sich wieder Aufrichten nach getaner Arbeit. Immerhin habe ich nicht nur den längsten Teil des Treks, sondern auch meines Lebens hinter mir und laut Aussage von einigen Halbgöttern in weiß schwere Arthrose in beiden Kniegelenken. Jedenfalls füllt sich das gerade morgens alles andere als geschmeidig an, wenn der lone wolf in die Gänge kommen will.

 

Dann wird mir plötzlich klar, warum das da draußen noch nicht so aussieht, wie ich es heute gerne hätte. Die Sonne fehlt noch! Hätte ich ja gleich drauf kommen können. Die wärmenden Strahlen lösen die Nebelfelder auf und dahinter kommt dann der blaue Himmel zum Vorschein. Yesss! So muß das Drehbuch aussehen.

 

Die Hoffnung stirbt zuletzt und während sie so auf dem Sterbebett dahinsiecht oder doch wiederaufersteht gehe ich schon mal frühstücken. Vegetarian omelette und schwarzer, ungesüßter Kaffee. Danach werden die ja auch die Sonne hochgezogen haben. Routinearbeit - mehr nicht.

 

Also entweder die streiken, sie sind auf Betriebsausflug oder es ist ein Feiertag. Jedenfalls tritt keine Wetterbesserung ein, solange ich die Eierspeise zwischen die Zähne schiebe um sie mit genug flüssigem Koffein hinunter zu spülen.

 

Die Lage ist ernst und erfordert außergewöhnliche Maßnahmen, die nur in der Präsidentensuite beschlossen werden können. Wohl gemerkt nach einem ausführlichen Brainstorming mit mir selbst. Ich tage bzw. döse bis kurz vor 9 Uhr und entscheide zu meiner eigenen Überraschung den sofortigen Aufbruch Richtung Highcamp. So einfach von innen heraus.

 

Man muß das Schicksal manchmal einfach provozieren. Dann wird es sauer und lacht einen aus. So auch heute. Kaum bin ich in den steilen Pfad oberhalb des Guesthouse eingebogen, kommt die Sonne durch.

 


 

 

Ein paar Minuten später schwitze ich bereits so stark, daß ich anhalte, meine Windstopperjacke ausziehe und über dem Handlebarpack am Lenker befestige.

 

Dann gehe ich die mehr als dreißig Kehren an. Immer wieder schaue ich noch oben, versuche das Ende zu erahnen. Glaube es da oben zwischen den Felsen zu wissen. Hoffe, daß ich recht habe. Der Weg bis dahin ist eine einzige Rampe. So steil, daß es nur über Spitzkehren einigermaßen gut zu schaffen sein wird.

 

Es läuft gut. Es ist warm. Es macht Spaß. Es ist anstrengend. Es ist überschaubar.

 

Nur dieser eine Anstieg steht heute auf meinem Tagesprogramm. Viele gehen dann direkt weiter über den Pass. Ihr wisst schon: die, die keine Zeit haben. Die, die ihre Zeit für teures Geld an andere verkauft haben. Jetzt sehen sie, was sie davon haben, denke ich dann immer. Keine Zeit eben, aber dafür Geld.

 

Mir ist Zeit lieber, denn die kann man sich nicht kaufen. Die hat man und nützt sie für die Dinge, die einem wirklich wichtig sind. Oder man verkauft sie eben. Vielleicht weil man sowieso keine Idee hat, was man mit der Zeit anfangen soll. Außer Fernsehen schauen. Was für mich gar keine Rolle mehr spielt. Nach meinem Trip 2008 von Deutschland nach China habe ich meinen TV verschenkt. War erschreckend zu sehen, wie überall auf der Welt nahezu der gleiche Müll lief. Nur halt in unterschiedlichen Sprachen mit anderen Darstellern. Aber ich will ja keinem zu nahe treten. Soll jeder auf seine Art glücklich werden. Und wenn´s vor dem Fernseher ist.

 

 


A few minutes later I sweat so much that I stop, take off my windproof jacket and fasten it over the handlebar pack.



Then I'll go over thirty hairpin bends. Again and again I look up, trying to guess the end. Believe it up there between the rocks. Hope I'm right. Until then, it's a single ramp. So steep that it will only be possible to do it reasonably well with a sharp turn.

 


It's going well. It's warm. It's fun. It's exhausting. It is manageable.


Only this one climb is on my agenda today. Many of them go straight across the pass. You know, those who don't have time. The ones who sold their time to others for a lot of money. Now they see what they get out of it, I always think. No time, but money.

 


I prefer time, because you can't buy it. It's something you have and it's useful for the things you really care about. Or you sell them. Maybe because you have no idea what to do with time anyway. Watch outside of tv. Which doesn't matter to me anymore. After my trip from Germany to China in 2008, I gave my TV away. It was frightening to see how almost the same garbage was running all over the world. Only in different languages with other actors.

 
But I don't want to offend anyone. Let everyone be happy in their own way. What if it's in front of the TV?

 


 

Meine vier Lieblingsspanier überholen mich. Zwei Pärchen. Mitte dreißig, schätze ich. Einfach knuffig, die vier. Sie hatten mich irgendwann beim Mittagessen angesprochen und waren mir sofort sympathisch. Seitdem haben wir uns immer wieder auf dem Trek getoffen. Grüßen, scherzen, motivieren uns gegenseitig und wünschen uns abends "buenos noches".

 

Ein Grund mehr spanisch zu lernen, denke ich mir. Die haben einfach so eine warme, herzliche Art. Wie die Nepalesen oder die Vietnamesen. Das fühlt sich einfach gut an.


My four favorite Spaniards overtake me. Two couples. Thirties, I guess. Just cuddly, the four of them. They had contacted me at lunch and I immediately liked them. Since then we have been met on the trek again and again. Greetings, jokes, motivate each other and wish us "buenos noches"in the evening.


One more reason to learn Spanish, I think. They're just having such a warm, hearty way. Like the Nepalese or the Vietnamese. It just feels good.


 

Nach zwei Stunden erreiche ich den großen Felsen, den ich schon von unten die ganze Zeit sehen konnte und von dem ich hoffe, daß er das Tor zum Highcamp ist. Der Blick zurück löst tiefe Zufriedenheit in mir aus. Es war bisher leichter als befürchtet, das Wetter hat sich stabilisiert und ich bin voll im Flow. Gehe voll in meinem Tun auf.

 

Die Natur, mein Bike, ich und die zwei hübschen Spanierinnen, die von unten hoch winken. Nur ihre Männer sind weit und breit nicht zu entdecken.

 

La pura vida!


After two hours I reach the big rock, which I could see from below all the time and of which I hope it is the gate to the high camp. Looking back causes deep satisfaction in me. It was lighter than expected, the weather has stabilized and I am in full flow. I do my best.


Nature, my bike, me and the two beautiful Spaniards who are waving from below. Only their men are nowhere to be seen.

La pura vida!


 

Die beiden schließen auf und wir verständigen uns so gut es geht in spanglish. Jedesmal wenn ich sie treffe gibt mir das noch einen zusätzlichen Motivationsschub, denn die Spanier scheinen mich wirklich für eine máquina zu halten. Der Deutsche mit dem Fahrrad. Der Verrückte.

 

Was sie nicht wissen:

 

máquina hat morgens oft Anlasserschwierigkeiten, vergisst gerne das Tanken und leidet allgemein unter Verschleiss.

 

Aber wenn die so überzeugt von mir sind, dann kann ich ja auch mal ein paar meiner Selbstzweifel einfach den Hang hinunterrollen lassen und so tun als sei ich gerade erst volljährig geworden. Und schon stürme ich den Berg hinauf...in Gedanken;-)

 


The two of them catch up and we communicate as best we can in spanglish. Every time I meet them, it gives me an additional motivation boost, because the Spaniards really seem to think I am a máquina. The German by bike. The madman. And if they are so convinced of me, then I could let a few of my self-doubts roll down the slope.

What they don't know:

máquina has problems with starting in the morning, likes to forget refuelling and generally suffers from wear and tear.

 

But if they are so convinced of me, then I can let a few of my self-doubts roll down the slope and pretend that I have just reached the age of majority.

And already I rush up the mountain... in thoughts; -)

 


 

Die Mädels gehen weiter und ich richte es mir in einer Spitzkehre gemütlich ein. Auf einem Fels sitzend blicke ich zurück, genieße den Augenblick und freue mich über mich selbst und meine bisherige Leistung.

 

Hinter dem großen Fels über mir entdecke ich in ein paar hundert Meter Entfernung das Dach einer Hütte. Das muß das Highcamp sein! Ich habe es geschafft. Zumindest für heute und bis hierher.

 

Es ist ein bißchen wie Weihnachten als Kind.

 

Noch einmal schlafen bis zum Tag der Tage...

 

 

The girls keep going and I'll make myself comfortable in a hairpin turn. Sitting on a rock I look back, enjoying the moment and looking forward to myself and my performance so far.


Behind the big rock above me I discover the roof of a hut a few hundred meters away. This must be the high camp! I've done it. At least for today and so far.


It's kind of like Christmas as a kid.


Sleep once more until the day of the days...


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