Halong Bay...

 

Einmal mehr darf ich erfahren, was Massentourismus bedeutet und ich hoffe für mich persönlich, daß ich es in Zukunft wirklich bleiben lasse. Es sieht bescheiden aus, es fühlt sich nicht gut an, es schadet der Umwelt und ist ganz einfach nicht mein Ding.

 

Lone Wolf unter Schafen, das funktioniert einfach nicht.

 

 

Doch zunächst heißt es Abschied nehmen von Hanoi und Mike.

 

Eigentlich wollen wir am 2. Januar gemeinsam gen Südosten starten, doch Mike fühlt sich nicht richtig fit und die Begeisterung bezüglich Halong Bay hält sich bei ihm auch in Grenzen. Die Silvesternacht hat ihre Spuren hinterlassen und deswegen habe ich kein Problem, einen weiteren Ruhetag in Hanoi einzulegen.

 

Während des Tages mache ich mir so meine Gedanken und entscheide mich dann nachmittags für die Fahrt Richtung Weltkulturerbe. Am 7. Januar wollen wir uns in Ninh Binh wieder treffen und gemeinsam weiter Richtung Laos radeln. Zurück in die Berge. Zurück in den Dschungel. Dorthin wo weniger Menschen sind.

 

Am 3. Januar wache ich sehr früh auf und sitze um 7 Uhr bereits im Sattel. Gegen den Strom der Rollerfahrer verlasse ich Hanoi und schaffe an diesem Tag 115 Kilometer. Die erste Hälfte auf überfüllten Highways, danach auf Nebenstraßen mit weniger Verkehr.

 

 

Es beeindruckt mich sehr, was ich da im Hinterland von Vietnam zu sehen bekomme, was sehr ärmlich und teils verlassen anmutet. Doch wie fast überall treffe ich auf begeisterte Kinder und erstaunte Vietnamesen.

 

 

An meinem Tagesziel in Haiphong angekommen, finde ich eine gute und preiswerte Unterkunft. Nur der mürrische und geldgierige Manager trübt ein wenig meine Stimmung. Mein wirksames Gegenmittel: die Forderung einfach ignorieren und nach einem Geldautomaten fragen.

 

Tags darauf geht es über eine riesige Brücke raus aus der drittgrößten Stadt Vietnams. Danach beruhigt sich der Verkehr recht schnell und es macht Spaß auf dem Reiserad unterwegs zu sein. Wie am Tag zuvor nutze ich auch heute eine Fährverbindung. Das macht mir immer sehr viel Spaß, da es so etwas bei uns ja eigentlich nur noch sehr selten gibt.

 

 

Am frühen Nachmittag sehe ich zum ersten Mal nach mehr als neun Monaten wieder das Meer. Die letzten Kilometer teile ich mir die stark befahrene Straße mit unzähligen Bussen. Alle wollen nach Halong Bay.

 

Je näher ich meinem Ziel komme, umso hässlicher wird die Bebauung.

 

Doch dann tauchen plötzlich in der Ferne, draußen in der Bucht, die bläulichen Umrisse der berühmten Kalksteinfelsen auf. Ein toller Anblick!

 

Allein für diesen Augenblick hat es sich gelohnt, die zwei Tage und 190 Kilometer zu radeln. Noch nie in meinem Leben war ich weiter östlich. Ab jetzt geht es wieder westwärts.

 

 

Mein Hotel ist schnell gefunden. Es hat die besten Tage hinter sich. Für mich ist das jedoch nicht wichtig. Ich brauche nur ein Dach über dem Kopf. Ein sauberes Bett und eine Dusche. Beim schlafen habe ich die Augen zu, also interessiert es mich herzlich wenig wie das Zimmer aussieht. Mein Bike kommt mit auf die gute Stube.

 

Den Nachmittag verbringe ich mit der erfolglosen Suche nach dem Touristenpier.

Dafür entdecke ich die Schönheit von Bãi Cháy, so heißt der Ort, in dem sich meine Unterkunft befindet, gegenüber von Ha Long.

 

 

Je mehr ich hier unterwegs bin, umso aggressiver macht mich die ganze Szenerie. Keiner weiß wo das Touristenpier ist. Doch so schnell gebe ich nicht auf. Endlich finde ich ein Foto im Internet, das den Eingang samt Beschriftung des Touristenpiers zeigt. Eine Restaurantbesitzerin schickt mich daraufhin zu einer Shopping Mall...

 

Aber dafür gibt es ja bestimmt eine App. Blöd nur, wenn die nicht auf dem aktuellen Stand ist, das Guthaben aufgebraucht oder der Akku leer ist.

 

Und alle Fähigkeiten seines Gehirns zu externalisieren ist mit Sicherheit auch nicht die beste Idee. Dann finde ich alles nur noch in meinem Smartphone aber nicht mehr in meinem Kopf.

 

Dann versuche ich die Tour im Internet zu buchen. Das Überangebot erschlägt mich. Am Ende hilft einmal mehr die einfache Frage an der Hotelrezeption.

 

Am nächsten Morgen werde ich um 7 Uhr abgeholt und zum Pier gebracht. Ich mache es kurz. Es war eine Vierstundentour. Wir sind in die erste große Bucht der Halong Bay gefahren, wo alle bis auf mich eine Höhle besichtigt haben. Da ich in der Hektik um mich herum erst zuletzt das richtige Boot zugewiesen bekommen habe, hat man mir noch im Nachhinein mein Ticket wieder abgenommen. Das würde ich jetzt aber benötigen, um in die Höhle zu kommen. Als ich die Menschenmassen sehe, entscheide ich mich für eine halbe Stunde Ruhe auf dem Boot.

 

 

In der zweiten Bucht kann man zu zwei Höhlen paddeln oder sich rudern lassen. Erneut bleibe ich an Bord, genieße die Ruhe und haben meinen Spaß mit der vietnamesischen Besatzung.

 

Auf der Fahrt zu den Kalksteinfelsen und zurück mache ich ein paar schöne Fotos, obwohl das Wetter und damit das Licht nicht gut waren. Damit bin ich glücklich. Mehr brauche ich nicht. Außerdem freue ich mich über die Schiffsmotoren, die nur sehr dezente Geräusche verursachen. Das finde ich sehr passend und der Landschaft angemessen.

 

 

Fazit: Ich habe einen sehr kleinen Teil der Bucht gesehen. Mich hat das nicht vom Hocker gehauen. Kein Vergleich zum Khao Sok National Park in Thailand vor zwei Jahren. Das war das Schönste, das ich bis heute gesehen habe.

 

Subjektiv betrachtet muß ich aber auch sagen, je weniger Menschen um mich herum sind, umso besser gefällt mir eine Sehenswürdigkeit.

 

 

Gestern Abend habe ich mit Mike telefoniert.

 

Er ist immer noch in Hanoi und war erneut im Krankenhaus.

Heute wird er sich einer Untersuchung unterziehen, dann wird sich herausstellen, ob ich ihn in zwei, drei Tagen treffen werde.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    App Sepp (Samstag, 07 Januar 2017 06:41)

    Hi Dirk, wie du weißt gibt es für jedes Problem eine App...also beim nächsten mal den App Sepp fragen �
    Viele Grüße aus Südafrika ��

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