HANOI

Das Bild ist doch verkehrt herum in diesen Beitrag eingefügt, werdet ihr denken. Ja und Nein.

 

Ja, weil es um 180 Grad gedreht gehört und nein, weil ich damit symbolisieren möchte, wie verkehrt die Welt sich immer wieder für mich persönlich anfühlt.

 

Daheim überall die Angst vor dem Islam und hier erlebe ich wie westliche Menschen voller Bewunderung vor dieser Kathedrale stehen.

 

Zur Erinnerung: bereits im 16 Jahrhundert erreichen die ersten christlichen Missionare Vietnam. Was hatten die da zu suchen, frage ich mich?

 

Auf nahezu allen Kontinenten der Welt haben die westlichen Kolonialmächte mit der Kirche gemeinsame Sache gemacht und nicht groß gefragt, sondern sind einfach in diese Länder früher oder später eingefallen, haben angefangen die Menschen grundlos umzubringen und die Länder auszurauben.

 

Cortes, Columbus und wie sie alle hießen. Gefeierte Entdecker in Europa. Mordende Eroberer in der Wirklichkeit.

 

Nun kann man sich fragen, warum schreibt der Dirk schon wieder so unschöne Sachen? Ganz einfach: weil es unsere Vergangenheit betrifft, die mittel- oder unmittelbare Auswirkungen auf unsere Gegenwart und Zukunft hat.

 

Zu erleben, wenn sich westliche Menschen in anderen Ländern befinden.

 

Die letzten drei Beispiele gefällig?

 

Beispiel 1:

 

"Wenn es etwas gibt, was man der Kolonialzeit an positivem abgewinnen kann, dann ist es aus meiner Sicht die Architektur" sage ich beim Frühstück zu einem Franzosen. "Das wäre ja nicht das Einzige..." erwidert der daraufhin.

 

Ist klar. Man überfällt einfach ein fremdes Land und findet es mehr als 150 Jahre später immer noch nicht so schlimm.

 

 

Beispiel 2:

 

Silvesternacht. Ich hole mir auf dem Weg ins Hotel noch einen Döner. Der Imbissbesitzer, ein Vietnamese, ist sichtlich sehr stark behindert. Sein Halswirbelsäule ist total deformiert und dadurch bedingt kann er eigentlich nur nach unten schauen. Bewundernswert, wie er trotzdem mit Hingabe seinen Dönerstand betreibt.

 

Neben mir ein junges Backpackerpärchen. Er kommt aus Bayern. Als der Besitzer dem Bajuwaren den Döner reichen will, sagt der junge Mann doch wortwörtlich:

 

"Jetzt fasst der mit seinen Drecksgriffeln auch noch meinen Döner an".

 

Abgesehen von der Logik dieser Aussage in Bezug auf seine vorher getätigte Bestellung und dem schwer verständlichen Dialekt, ist der junge Mann doch ein weiteres Beispiel unserer immer wieder gepriesenen "westlich zivilisierten" oder besser gesagt "verlogenen" Welt. Doch er hat noch einen im Köcher stecken:

 

"Und Deine Halswirbelsäule ist auch so was von am Arsch, Alter!".

 

Okay, jetzt reicht es! Ich sehe mich im Geiste bereits dabei, den Hinterwäldler besinnungslos zu prügeln.

 

"Verpiss Dich" gebe ich ihm unmissverständlich zu verstehen. Überrascht, daß überhaupt jemand seinen fürchterlichen Dialekt verstanden hat, schaut er mich prüfend an. Doch er erkennt schnell, daß das seine letzte Chance ist.

 

Mit einem "happy new year" dreht er sich um und wankt davon.

 

Beispiel drei:

 

Ich esse ein Baguette am Straßenrand. Sitzend. Der vietnamesische Budenbesitzer reicht mir erst eine Serviette, dann den Abfallkorb (!).

 

Ich bin gerade fertig mit essen, da sehe ich keine zwei Meter von mir entfernt, wie sich eine junge westliche Backpackerin breitbeinig vor mir aufbaut. Ja, anders kann man das nicht bezeichnen, wie sie da steht. Und dann fängt die doch an, mitten in der Stadt ihre Apfelsine zu schälen und jedes Stück Schale genüsslich auf den Boden zu werfen. Kann man ja machen in Vietnam.

 

Beispiel vier:

 

Immer wieder meine Freunde, die Backpacker.

 

Habt ihr schon mal gesehen, wie Asiaten in Gruppen mit einer Flasche Bier in der Hand durch Berlin oder Stuttgart ziehen? Oder Chinesen, Japaner, Thailänder?

Ich auch nicht. Machen aber westlich zivilisierte Menschen, wenn sie im Ausland sind.

 

Wir sollten uns mal ganz, ganz wenig wundern, angesichts dessen, wie wir uns in der Welt aufgeführt haben und es bis heute tun.

 

Es ist einfach nur lächerlich, anmaßend und überheblich, von einer westlich zivilisierten Welt zu sprechen, die foltert, tötet und sich benimmt, als gehöre die Welt ihnen und in der die Mehrheit der Bevölkerung von dieser Realität nichts wissen möchte.

 

Und genau deswegen schreibe ich darüber. Frohes neues Jahr!

 

 

Als Kolonialismus wird die meist staatlich geförderte Inbesitznahme auswärtiger Territorien und die Unterwerfung, Vertreibung oder Ermordung der ansässigen Bevölkerung durch eine Kolonialherrschaft bezeichnet. Kolonisten und Kolonialisierte stehen einander dabei kulturell in der Regel fremd gegenüber, was bei den Kolonialherren im neuzeitlichen Kolonialismus mit dem Glauben an eine kulturelle Überlegenheit über sogenannte „Naturvölker“ und teils an die eigene rassische Höherwertigkeit verbunden war.[1] Diese Vorstellung wurde durch frühe Theorien einer soziokulturellen Evolution gestützt. Die Kolonisierung der Welt durch europäische Nationen leistete der Ideologie des Eurozentrismus Vorschub.[2]

 

Quelle: Wikipedia

 

Liest man nicht gerne, speziell in der Zeit, wenn die Christbäume überall so schön geschmückt und beleuchtet sind. Ist aber so.

 

Keine Moscheen in Deutschland? Und was machen wir dann mit dieser ach so schönen Kathedrale?

 

Wie schon geschrieben: Die Vergangenheit holt uns wieder ein.

 

Also ist die Angst in Deutschland, Frankreich, Belgien, Niederlande, UK, USA etc. durchaus berechtigt.

 

Nur: wir sollten besser vor uns selbst Angst haben, angesichts der Geschichte der westlichen Welt und der christlichen Kirche.

 

 

Hanoi ist eine Stadt der Roller. Mit Verbrennungs- oder Elektromotor. Das wird uns schon am 29. Dezember klar, als wir in die Stadt pedalieren.

 

 

Wir beziehen unser erstes Hotel im französischen Viertel. Mike im dritten, ich im zweiten Stock. Dazu sollte man wissen, daß die meisten Häuser in Hanoi bzw. Vietnam maximal drei Meter breit sind.

 

Die folgenden Tage und Nächte verbringen wir hauptsächlich in der Altstadt Hanois, wo sich auch unser zweites Hotel befindet.

 

 

Da im 13. Jahrhundert die Steuer nach der Breite der Hausfassade festgelegt wurde, ist dieser Teil der Altstadt berühmt für seine so genannten Schlauchhäuser. Die Gebäude haben eine schmale Fassade von zwei bis drei Metern und wirken von vorne sehr eng und klein, innen dagegen können sie von 20 Metern bis zu 60 Metern lang sein. – Diese Bauweise findet man immer wieder in ganz Vietnam und es mutet manchmal beängstigend an, die schmalen, oft einige Stockwerke hohen Häuser zu sehen.

 

Quelle: Vietnam.com

 

 

 

 

 

Für die vietnamesischen Frauen sind wir mit unserer Größe natürlich der absolute Hit! Immer wieder stellen sie sich ungläubig neben uns, um sich mit uns zu messen.

 

An Silvesterabend ziehen wir ein wenig um die Häuser, und feiern schließlich im Cong Caphe ins neue Jahr hinein. Mehr oder weniger rein zufällig landen wir dort, um dann festzustellen, daß der ganze Laden wie ein Gefechtsstand im Vietnamkrieg aussieht.

 

 

Mein persönliches Highlight: die doppeldeutigen T-Shirts mit der Aufschrift "we bring you back home" auf den Ärmeln.

 

Hat ja auch auch super geklappt. Zumindest was die amerikanischen Streitkräfte betrifft :-)

 

 

Den Rest der Zeit verbringen wir typischerweise mit essen, schlafen und erkunden der Altstadt.

 

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