Plötzlich steht sie vor mir!

Die beiden ersten Etappen sind geschafft. Etwas mehr als 130 km bin ich geradelt, um hier in Kanchanaburi anzukommen, einer Kleinstadt am "River Kwai".

 

Hier hatte sich im zweiten Weltkrieg, beim Bau der Thailand - Burma "Todeseisenbahn", ein Kriegsverbrechen abgespielt, das später durch seine Verfilmung weltweit Beachtung finden sollte.

 

 

Doch der eigentliche Höhepunkt des gestrigen Tages ist dann nicht die vermeintliche Brücke am Kwai, die mit der im Film nichts gemein hat, sondern eine hübsche Thailänderin, die plötzlich vor mir am Straßenrand steht und die ich erst sehr spät wahrnehme. Je näher ich ihr komme, umso mehr verschwinden meine Zweifel. Sie wartet wirklich auf mich!

 

Als ich kurz vor ihr anhalte, überreicht sie mir eine kleine Flasche Wasser und fragt mich, vor ihrem weißen Pickup stehend, wohin ich fahre. Ich bin zuerst echt baff und überlege kurz, das Wasser abzulehnen, denn hier ist weit und breit weder Wüste noch Wasserknappheit, entscheide mich dann aber doch, die attraktive Thai nicht vor den Kopf zu stossen und das Wasser an mich zu nehmen.

 

"Nach Kanchanaburi" antworte ich ihr, einen Moment lang herrscht Stille, dann verabschiedet sie sich und wünscht mir alles Gute, steigt zu ihrem kleinen Sohn in ihren weißen Toyota und fährt gemächlich davon.

 

Mit den Augen verfolge ich, wie der Pickup ein paar hundert Meter weiter an einem U-Turn wendet und mich dann auf der Gegenseite passiert. Freudig winke ich ihr nochmals zu und recke meinen Daumen in die Höhe.

 

Wow! Das ist es, was das Reisen mit dem Rad immer wieder so unfassbar schön macht. Das sind die Dinge, die mein Herz berühren. Die Menschen und ihre Gastfreundlichkeit. Einfach so. Wie auf Wolken radle ich weiter. Mein Tag ist gelaufen. Was soll da noch kommen?

 

Zunächst einmal kommt die beschriebene Brücke und die damit zwangsweise verbundenen Menschenmassen. Das was ich mir anschaue, schauen sich auch andere Menschen an. Logisch.

 

Ich suche mir also eine gute Perspektive, eine ruhige Ecke, mache ein, zwei Fotos und verlasse die Szenerie wieder so schnell es geht.

 

 

Anschließend radle ich noch gut zwei Stunden von Guesthouse zu Guesthouse, denn beim Abflug hatte ich mir ein paar neue Ziele gesetzt.

 

Eines davon lautet:

 

die nächsten sechs Monate sind der Testlauf für meine Weltumradlung. Das bedeutet ein Monatsbudget von 600 € oder anders gerechnet, 20 € am Tag.

Für essen, trinken und schlafen.

 

In einer Seitenstraße werde ich fündig. Eine Unterkunft für 200 Baht (5,13€). Ruhig und idyllisch. Aus der Zeit gefallen. Keine Backpacker weit und breit, keine tätowierten Rentner aus Australien, einfach Niemand außer mir.

 

Die Zimmer sind nichts für den heutigen Anspruch, mir gefallen sie sofort. Sie haben etwas vom Thailand der alten Tage, fast ein wenig Kolonialstil.

 

Auf der Holzveranda sitzend, genieße ich am Nachmittag ein erfrischendes Gewitter. Hier könnte ich leben, das weiß ich nach einer ruhigen und angenehmen Nacht - mit Ventilator und ohne Klimaanlage.

 

 

Das wird das Nächste, was ich ausprobieren werde: keine Klimaanlagen mehr, nur noch Ventilatoren.

 

Am Morgen zahle ich weitere 200 Baht. Ich will hier noch eine Nacht bleiben, bevor ich die letzten 180 km zu meinem diesjährigen Höhepunkt in Angriff nehmen werde.

 

Zehn Tage Schweige-Retreat in einem Vipassana-Meditationszentrum, mittem im Nirgendwo, kurz vor der burmesischen Grenze.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Dirk (Montag, 03 Oktober 2016 17:15)

    Wer aufschreibt was er hat, erhält eine Liste. Wer aufschreibt was er erlebt hat, erhält eine Geschichte.

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