Wie ich wurde, was ich bin

 

Ihr denkt, ich bin mutig...

 

"There is a new kid in town, and everybody loves him"...klingt gerade aus den Lautsprechern. Ich mag dieses Lied und es passt zu mir. Vom Kid bin ich zwar so weit enfernt wie der Mount Everest von der schwäbischen Alb, aber alle paar Tage bin auch ich neu in der Stadt. Ob in Kathmandu oder Bangkok, Pokhara oder Darjeeling.

 

Gut, ob mich alle lieben, bei meiner Ankunft in einer neuen Stadt, kann ich nicht beurteilen, aber ich versuche mich zumindest anders zu verhalten, wie viele dieser Pauschaltouristen und jungen Backpackerhorden.

 

Gerade habe ich wieder so einen arroganten Westler mit seiner Frau beobachtet. Studiert die Speisekarte vor dem Lokal und aus Mangel an kambodschanischen Sprachkenntnissen oder vielleicht sogar aus einem völlig unbegründeten Gefühl der Überlegenheit heraus, winkt er den jungen, Restaurantbesitzer mit einer Geste heran, daß ich ihm am liebsten mit einer ähnlichen Geste zu verstehen geben möchte: "verschwinde!"

 

In zwei Tagen werde ich dann erneut das "new kid in town" sein, denn dann hoffe ich das etwas mehr als 170 km entfernt Battambang erreicht zu haben. Die zweitgrößte Stadt Cambodias.

 

Eigentlich wollte ich ja heute morgen schon starten, aber Bestellungen und Buchungen wollen ja auch bearbeitet sein. Also habe ich nochmal einen Freiluftbürotrag angehängt.

 

Wenn ich so zu zurückblicke, auf die letzten, gerade mal 16 Monate, dann wird mir bewußt, daß ich mich mal wieder selbst überholt habe. Im Sommer 2014 war ich durch einen Artikel im Spiegel auf die DNX in Berlin aufmerksam geworden.

 

Interessiert daran, neue Menschen, Lebenskonzepte und Werkzeuge kennenzulernen, war ich Anfang Oktober für drei Tage nach Berlin geflogen und mit vielen neuen Ideen anderer "Digitaler Nomaden" nach Stuttgart zurückgekehrt. Drei Wochen später hatte ich, typisch für mich, die Idee bereits so konkretisiert, daß ich einen Flug nach Bangkok für den 1. Dezember 2014 und meinen Rückflug für den 11. März 2015 gebucht hatte.

 

Ich wollte mein Leben ändern und genau das tat ich. Als ich nach vier Monaten aus Südostasien zurückkehrte, stellte ich mir die Frage: warum nur vier Monate? Sechs fühlt sich bestimmt noch besser an.

 

Ja. Tut es. Das kann ich bereits jetzt bestätigen.

 

 

Doch was hatte mir an meinem alten Leben nicht gefallen?

 

Ganz einfach: ich war es leid, mich und meine neuen Ideen immer wieder erklären zu müssen, ohne daß andere mir folgen konnten oder wollten.

 

In Unternehmen, deren Leitsätze und Firmenphilosophien nur leeres Marketinggeschwätz waren. Wo wirkliche Offenheit früher oder später zur Kündigung führte.

 

Bis auf wenige Ausnahmen hatte ich Vorgesetzte gehabt, die dieses Begriffs nicht würdig waren. Leute, die nicht wegen ihrer Fähigkeiten Leitungspositionen erreicht hatten, sondern weil sie gut zu steuern waren, Ja-Sager, Duckmäuser, rückratslose, geldgeile, stromlinienförmige Clone, die durch Beziehungen zu ebensolchen Menschen ihre Jobs bekommen hatten.

 

Was habe ich vor kurzem auf Xing gelesen?

50% aller Jobs werden über Kontakte vergeben?

Im Osten hieß das früher "Seilschaften".

In Köln sagen sie dazu "Klüngel".

 

Networking ist der neue Begriff dafür. Gibt dem Kind einen anderen Namen und schon verschwinden die negativen Assoziationen. Versteht mich nicht falsch. Auch ich pflege Kontakte. Entscheidend ist, wie fast immer, die Motivation.

Sprich: was mache ich daraus?

 

Nutze ich es negativ, dann ist sogar so etwas wie der VW Abgasskandal möglich. Einer deckt den anderen. Und gemeinsam führt man mehr als 100.000 Mitarbeiter? Was sagt das über die mittlere Managementebene und deren Mitarbeiter aus? Über jeden Einzelnen?

 

So etwas ist nur möglich, wenn genügend Menschen mitmachen.

Menschen, die Angst haben etwas zu verlieren. Zum Beispiel ihren Job.

 

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"Mann, ich sehe im Fight Club die stärksten und cleversten Männer, die es jemals gab. Ich sehe soviel Potential, wie es vergeudet wird. Herrgott noch mal, eine ganze Generation zapft Benzin... Räumt Tische ab... Schuftet als Schreibtisch-Sklaven. Durch die Werbung sind wir heiß auf Klamotten und Autos, machen Jobs, die wir hassen, kaufen dann Scheiße, die wir nicht brauchen. Wir sind die Zweitgeborenen der Geschichte, Leute - Männer ohne Zweck, ohne Ziel. Wir haben keinen großen Krieg, Keine große Depression. Unser großer Krieg ist ein Spiritueller. Unsere große Depression ist unser Leben. Wir wurden durch das Fernsehen aufgezogen in dem Glauben, dass wir alle irgendwann mal Millionäre werden, Filmgötter, Rockstars... Werden wir aber nicht. Und das wird uns langsam klar. Und wir sind kurz, ganz kurz vorm ausrasten."


(Brad Pitt als Tyler Durden in dem Film Fightclub)

 

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Aus meiner persönlichen Sicht waren das Menschen, die das nachplapperten, was opportun war. Die sich politisch korrekt verhielten, die nur rumeierten, wenn man konkret wurde. Menschen, die hauptsächlich damit beschätigt waren zu bewahren oder zu kopieren. Die weder Mut zu Neuem hatten, noch die Größe, persönlich dabei zu sein, wenn es unangenehm wurde. Technokraten. Wendehälse. Arbeitsroboter in Menschengestalt. Die waren eigentlich unsichtbar, aus Mangel an Persönlichkeit.

 

"Wir können nicht einfach.."...

"Wir müssen darauf achten daß..."

"Rechnet sich das denn..."

"Das können wir doch nicht einfach so machen..."

"Lassen sie uns darüber ein anderes Mal sprechen..."

 

So fingen ihre Sätze an und beendeten damit die Unterhaltung über meine Ideen in den meisten Fällen.

 

Einfallslos. Mutlos. Risikolos.

 

So und jetzt schaut Euch mal mein jetztiges Leben an.

Würdet ihr sagen, diese drei Worte passen zu mir und meinem neuen Leben?

 

 

Ich habe keine Wohnung mehr und keinen Angestelltenjob.

 

Aber ich bin frei und habe Zeit.

 

Wähle den Ort, wo ich leben möchte. Manchmal täglich, manchmal wöchentlich. Dort wo ich hinkomme, war ich in den meisten Fällen niemals zuvor. Die Straße, die ich morgen radeln werde, kenne ich nicht. Wird sie sandig, steinig oder aus frisch geteert sein? Wo werde ich die nächste Nacht schlafen, was werde ich essen? Wen werde ich treffen und wird dieser Mensch es gut mit mir meinen? Wie fühlt es sich an, mit mir alleine unterwegs zu sein?

 

All das sind die Fragen, die man sich stellt, wenn man sich damit beschäftigt, ob ma so leben möchte, wie ich es tue.

 

But guess what? Wenn Du es einfach machst, einfach versuchst, einfach in die Realität umsetzt, dann stellst Du Dir diese Fragen nie wieder.

 

Denn Du wirst es ERLEBEN !

 

Morgen.

 

 

Viele Menschen denken, ich wäre mutig gewesen.

 

War ich nicht. Ich konnte nur nicht so sinnlos weiterleben, wie die letzten 22 Jahre. Irgendwann hatte ich das Gefühl krank zu werden, an Krebs zu erkranken, wenn ich so weiterleben würde.

 

Ich bekam viel Geld dafür, daß ich meine Lebenszeit an Unternehmen verkauft habe. Am Ende habe ich versucht für das viele Geld etwas Lebensglück zurückzukaufen.

 

Heute komme ich mit deutlich weniger Geld zurecht und habe dafür unfassbar viel Zeit für mich und meine Ideen. Für die Umsetzung dieser Ideen. Keiner stoppt mich mehr. Ich selbst bin mein Limit.

 

Endlich kann ich nach meinen Vorstellungen einigermaßen ethisch, moralisch und ökologisch sinnvollem leben.

 

Weniger ist mehr.

 

 

"Es ist für mich nicht wichtig, womit du deinen Lebensunterhalt verdienst.

Ich möchte wissen, wonach du innerlich schreist
und ob du zu träumen wagst, der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen.

Es ist für mich nicht wichtig, wie alt du bist.

Ich möchte wissen, ob du es riskierst, wie ein Narr auszusehen,
um deiner Liebe willen, um deiner Träume willen und für das Abenteuer des Lebendigseins.

Es ist für mich nicht wichtig, welche Planeten im Quadrat zu deinem Mond stehen.

Ich möchte wissen, ob du den tiefsten Punkt deines Lebens berührt hast, ob du geöffnet worden bist von all dem Verrat, oder ob du zusammengezogen und verschlossen bist aus Angst vor weiterer Qual.

Ich möchte wissen, ob du mit dem Schmerz - meinem oder deinem - da sitzen kannst, ohne zu versuchen, ihn zu verbergen oder zu mindern oder ihn zu beseitigen.

Ich möchte wissen, ob du mit der Freude - meiner oder deiner - da sein kannst, ob du mit Wildheit tanzen kannst, von den Fingerspitzen bis zu den Zehenspitzen erfüllt mit Begeisterung, ohne uns zur Vorsicht zu ermahnen, zur Vernunft, oder die Grenzen des Menschseins zu bedenken.

Es ist für mich nicht wichtig, ob die Geschichte, die du erzählst, wahr ist.

Ich möchte wissen, ob du jemanden enttäuschen kannst, um dir selber treu zu sein. Ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht deine eigene Seele verrätst.

Ich möchte wissen, ob du vertrauensvoll sein kannst und von daher vertrauenswürdig.

Ich möchte wissen, ob du die Schönheit sehen kannst, auch wenn es nicht jeden Tag schön ist, und ob du Dein Leben aus der Kraft des Universums speisen kannst.

Ich möchte wissen, ob du mit dem Scheitern - meinem und deinem - leben kannst und trotzdem am Rande des Sees stehen bleibst und zu dem Silber des Vollmonds rufst: - Ja! -

Es ist für mich nicht wichtig, zu erfahren, wo du lebst und wie viel Geld du hast.

Ich möchte wissen, ob du aufstehen kannst nach einer Nacht der Trauer und der Verzweiflung, erschöpft, und bis auf die Knochen zerschlagen, und tust, was für die Kinder getan werden muss.

Es ist für mich nicht wichtig, wer du bist und wie du hergekommen bist.

Ich möchte wissen, ob du mit mir in der Mitte des Feuers stehen wirst und nicht zurückschreckst.

Es ist für mich nicht wichtig, wo oder was oder mit wem du gelernt hast.

Ich möchte wissen, ob du allein sein kannst und in den leeren Momenten wirklich gern mit dir zusammen bist.

Ich möchte wissen, was dich von innen hält, wenn sonst alles wegfällt. " 

(Oriah Mountain Dreamer, indianische Heilerin aus Kanada)

 

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Uwe (Mittwoch, 17 Februar 2016 15:09)

    Respekt Dirk. Wenn ich das alles so lese hast Du definitiv recht.

  • #2

    Andrea (Mittwoch, 17 Februar 2016 21:19)

    Diesen Text singt ein toller Mensch von dem ich diese Zeilen kennenlernte. Laith al Deen...höre es dir mal an lieber Dirk

  • #3

    Manne (Mittwoch, 17 Februar 2016 21:24)

    Hallo Dirk,
    zuerst noch alles gute nachträglich zu deinem burzzeltag...
    (schande über mein haupt)

    soviele jahre kennen wir uns schon....und mit jedem deiner erlebnisse, deiner reisen, deiner erkenntnisse freue ich mich so sehr für dich , wie du nun lebst und erLEBST !!
    freue mich aber noch mehr, wenn wir dich wieder gesund " zuhause" begrüssen dürfen....woisch ja...dui schdaffel hodd blatz firr drei leid :-)))

    alles gute weiterhin

    manne

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