Cambodia ist so anders...

Im GEO-Magazin las ich einmal den Satz: "In Namibia meint man, das Rotationsgeräusch der Erde wahrnehmen zu können" - auf Cambodia übertragen, könnte man meinen, die furchtbare Vergangenheit Kambodschas ist auch heute noch jeden Moment spürbar.

 

Dieses Land und seine Menschen sind so anders.

 

Bereits nach wenigen Minuten fühlte ich mich wohl, wußte nicht warum, aktzeptierte es einfach und horchte von da an immer wieder in mich hinein.

 

Die Khmer sind so ruhig, in sich gekehrt, leise statt laut, introvertiert statt extrovertiert, sparsam lächelnd anstatt überschwänglich laut lachend. Geduldig und zurückhaltend.

 

Viele ältere Menschen scheinen mir sehr in ihre Gedanken oder Erinnerungen versunken. Selten gelingt es mir ihnen ein Lächeln abzuringen.

 

Doch die Khmer sind interessiert, hören zu, erzählen offen über ihre Vergangenheit. Anderseits hat man das Gefühl, es wird nur dann gesprochen, wenn es wirklich notwendig ist. Selbst der Verkehr läuft ruhiger ab.

 

Es ist sehr schwer in Worte zu fassen, aber meine innere Stimme läßt mich so etwas fühlen wie:

 

Cambodia tut Dir gut.

 

Die Landschaft. Die Natur. Der erste Eindruck von Land und Leuten.

 

Wieder einmal hatte ich die Grenzformalitäten schnell und einfach mit Hilfe eines Kambodschaners hinter mich gebracht, ganz im Gegensatz zu den ganzen Abzock- und Horrormärchen, die immer wieder, vor allem von Rucksacktouristen, im Internet verbreitet werden. Irgendwie scheint mir diese Spezies zwanghaft auf der Suche nach Abenteuer. Und wo keines ist, wird eines kreiiert.

 

Ich will hier nicht generalisieren, aber ich werde das Gefühl nicht los, daß viele Rucksacktouristen in jeder Ecke der Welt nur Hinterlist und Tücke vermuten und ein großes Ziel verfolgen: möglichst billig zu reisen. Ist an und für sich nicht verwerflich, aber bitte nicht auf Kosten armer Menschen und Länder.

 

Ja, ich habe einem Kambodschaner 50 Baht (1,28 €) gegeben. Dafür hat er mir das Formular erklärt, hat meinen Visaantrag durch die Hintertür zur schnelleren Bearbeitung weitergeleitet und hat mir damit geholfen schneller einzureisen, während die ganzen Backpacker um mich herum Geld gespart haben und ein paar Minuten länger anstehen mußten.

 

So ist das halt, wenn man die Sparolympiade gewinnen will.

 

Ja, ist doch so.

 

Ich findes es echt unpassend, einen auf Budgettourist zu machen, mit dem Geld an jeder Ecke zu knausern und sich bei den Ärmsten der Welt darüber zu beschweren, daß sie Geld für ihre Dienstleistungen verlangen. Dann bleibt man besser daheim. Das ist Rucksackkolonialismus für mich.

 

Ganz abgesehen davon, daß die meisten Länder Asiens, Afrikas und Südamerikas, in die wir heute so gern bevorzugt reisen, bereits von unseren Heimatländern ausgebeutet wurden und noch werden.

 

Kambodscha und Vietnam von den Franzosen, Myanmar und Indien von den Briten, Teile Afrikas von Deutschen, Holländern, Franzosen und Briten, weite Teile Südamerikas von Spaniern und Portugiesen. Nur um einige Beispiele zu nennen.

 

Ich meine, man stelle sich vor, ich gehe in ein deutsches Lokal in Stuttgart, am besten zu meinem Freund Steff ins Cafe Le Theatre, stelle eine 1,5 Literflasche Wasser auf den Tisch und frage nur nach dem WLAN-Passwort.

 

Geht gar nicht!

 

Sehe ich jeden Tag, wenn ich unterwegs bin. Und die Typen erzählen Dir dann, daß sie betrogen worden sind? Daß sie Geld bezahlen mußten? Zwei Dollar anstatt einem? Shame on you!

 

Gebe und Dir wird gegeben. Daran glaube ich. Nicht im christlichen Sinne, denn diese Religion hat mir zu viele Menschen getötet. Nein, eher buddhistisch. Positives Kharma schaffen, anstatt negativem.

 

Das funktioniert. Immer besser.

 

Und es passiert mir gerade fast täglich, daß ich darin bestätigt werde.

 

 

Zum Beispiel, als ich 20 km nach der Grenze die Brücke nach Koh Kong überquere und mich spontan entscheide, in das Städtchen hinein zu radeln, anstatt weiter Richtung Sihanoukville zu pedalieren.

 

Warum? Ich kann das nicht beantworten. Intuition. Wie so oft. Du meinst, Du bist ferngesteuert.

 

Für viele von uns Reiseradlern sind Städte eher ein notwendiges Übel. Wir können dort Ersatzteile besorgen, mal wieder duschen, nach Tagen in einem Bett schlafen. Sehenswürdigkeiten? Eher nicht. Wenn ja, dann von weitem. Zu viele Menschen, zu viel Verkehr, zu viel Lärm, von allem zu viel.

 

Viele von uns lieben die Ruhe, die Farben der Natur, das Rauschen des Fahrtwinds. Nicht mehr und nicht weniger. Einfach sein. Unterwegs sein.

Das ist jedenfalls das, was mir andere Reiserradler erzählen, wenn wir uns Irgendwo im Nirgendwo auf der Straße treffen und uns austauschen. Brüder und Schwestern im Geiste.

 

Als ich mir also einen ersten Überblick über das Städtchen verschafft habe und gerade mit dem Gedanken spiele, in einem der Gasthäuser nach dem Zimmerpreis zu fragen, spricht mich Jens aus Berlin an. Mein Reiserad hat seine Aufmerksamkeit erregt.

 

Warum?

 

Weil er selbst Zweiradmechaniker ist und schon als Kind von einer Weltumradlung geträumt hat. Als er mein Bike etwas genauer inspiziert, entdeckt er schnell die eine oder andere Schwachstelle. Meine Pannenaufzählungen der letzten Tage in Thailand komplettieren sein Bild meiner aktuellen, technischen Situation. Sofort erklärt er sich bereit, mein Bike, so weit wie möglich, auf Vordermann zu bringen.

 

Die Frage lautet: wer hat mir Jens geschickt?

 

Daß ich dabei in einem der besten Guesthouses von Koh Kong unterkomme, sei nur nebenbei erwähnt. Pool inclusive. Für 10 $.

 

Witzig dabei ist: in Kambodscha kann man sowohl in Riel also auch in Dollar bezahlen. Gerne auch gemixt. Gut für die Birne. Kopfrechnen ist angesagt.

4.000 Riel = 1 Dollar. Das Restgeld kommt dann oft gemischt zurück. Dollar und Riel.

 

Am Eingang des Guesthouses entdecke ich ein schwarzes "Spezialized Enduro".

 

Wer ist denn damit unterwegs, frage ich mich. Besitze ich doch selbst ein solches Mountainbike, habe schon öfters mit dem Gedanken gespielt, damit zu reisen, es aber immer wieder verworfen. Rucksack auf dem Rücken bedeutet schwitzen ohne Ende und wo verstaue ich Zelt und Schlafsack? Geht nicht, oder ist irre teuer, denn dann darf beides nahezu nichts wiegen. Und je weniger die Ausrüstung wiegt, umso teurer ist sie. Ohne Zelt und Schlafsack, heißt Du bist jeden Abend unter Druck, ein Guesthouse zu finden.

 

 

Jens stellt meine Bremsen neu ein und gibt mir eine generelle Einschätzung: mein Reiserad schreit förmlich nach einer Generalüberholung - nach 8 Jahren. Das Hinterradlager hat Spiel, die Kette könnte man bereits wechseln, zu groß ist der Abstand zwischen den einzelnen Giedern. Deswegen springt sie auch immer wieder ab. Wir spannen sie nochmal nach.

 

Am nächsten Tag radeln wir zu den Mangrovensümpfen außerhalb Koh Kongs und suchen vergeblich einen der Wasserfälle. Am Abend genieße ich das beste thailändische Essen seit zwei Jahren.

 

 

Irgendwann am späten Nachmittag fällt mir ein Typ im Guesthouse auf, dem das Enduro zu gehören scheint. Ich spreche ihn an. Sein Name ist Greg. Geboren in Canada. Aufgewachsen in USA. Hat die letzten fünf Jahre als "Fisherman" auf den Philippinen gelebt. Wir sind uns sofort sympathisch.

 

Ich lade ihn ein, Jens und mir beim Abendessen Gesellschaft zu leisten. Er willigt ein. Es wird ein richtig toller, witziger Abend. Jens steht dabei im Mittelpunkt und erzählt von seinem Spezialreisefahrrad. Von seinem selbst gebauten Nagelzieher auf Speichenbasis, über 4 Kettenblätter bis zu seinen 3 Bremsanlagen ist da alles dabei. Der Typ ist echt knorke, wie der Berliner zu sagen pflegt.

 

Als sich Jens verabschiedet, weil er am nächsten Tag zurück nach Bangkok will,  bleiben Greg und ich noch sitzen. Obwohl er am nächsten Tag weiter nach Tatai will. Am Ende vereinbaren wir via Mail in Kontakt zu bleiben, da ich noch einen Tag länger in Koh Kong verweilen will.

 

Zum Frühstück steuere ich Fat Sam´s Bar an und treffe Greg wieder. Er läßt sich Zeit mit der Abreise. Also frühstücken wir gemeinsam und Greg erzählt mir von seiner Zeit als Speerfischer auf den Philippinen, von gefährlichen Gegenden, vergifteten alten westlichen Ehemännern, Ortsvorstehern, die man ansprechen muß, um eine Nacht im Freien zu überleben und lockerem Schußwaffengebrauch. Scheint ne größere Herausforderung zu sein, dort zu reisen. Kurz vor seiner Abfahrt schaue ich mir seine Packtaschen an und hole mir die eine oder andere Anregung wie man mit einem Enduro reist. Dann rollt er vom Hof. 

 

Nochmal zurück zum Thema Ausrüstung. Nach einem ersten Blick auf die Webseite von Revelate Designs LLC, muß ich sagen, die Jungs aus Alaska haben genau das im Programm, was man benötigt, um mit dem Mountainbike zu reisen.

 

UNBEDINGT ANSCHAUEN !

 

In Österreich erhältlich bei: Fatbikes.at

Der Tag vergeht mal wieder wie im Flug. Gegen 22 Uhr radel ich zu meinem Guesthouse, da fast alle Shops, Bars und Restaurants um diese Zeit schließen. Dort angekommen, stelle ich fest, daß ich neue Nachbarn habe. Vier junge Kambodschaner laden mich auf ein Bier ein. Es bleibt nicht bei einem, denn ich nutze die Gelegenheit, die Jungs zu ein paar Dingen zu befragen, die mich mehr oder weniger brennend interessieren.

 

Die Vier verbringen einen Abend zusammen in Koh Kong. Der Kerl ganz links auf dem Bild spricht am besten englisch. Warum? Ganz einfach. Als er anfing in Sihanoukville mit Tourisen zu arbeiten, nahm er sich vor, jeden Tag zwei neue Worte zu lernen. Bis heute. Auch mich fragt er nach zwei neuen Worten. Ich gebe ihm zwei deutsche Begrüßungen.

 

 

Dann stelle ich meine erste Frage. Sie bezieht sich auf das Thema Vergangenheit.

 

Was haben ihm seine Eltern über die "Befreiung" durch den Einmarsch der Vietnamesen 1978 erzählt?

 

Die überraschende Antwort:

 

Hatten bis dahin die "Khmers rouge" (rote Khmer) ihr eigenes Volk dahingemetzelt, kamen nach dem Einmarsch die Vietnamesen als todbringende "Befreier" dazu.

 

Es lohnt sich durchaus sich mit diesem Teil der Geschichte im Detail zu beschäftigen, an der der Westen mal wieder maßgeblich beteiligt war.

 

 

Was halten die jungen Kambodschaner von westlichen Männern, die Beziehungen mit jungen Kambodschanerinnen eingehen?

 

Die tiefsinnige Antwort lautet: "it´s okay that our girls cook for them"...

 

Auf mein Nachfragen sagt man mir, die Kulturen wären zu unterschiedlich aber beide Seiten würden von so einer Beziehung profitieren ;-)

 

Das habe ich jetzt schon sehr, sehr oft gehört, sowohl in Thailand als auch in Cambodia und wenn ich die Pärchen so sehe, naja...

 

Greg erzählte mir dasselbe von den Philippinen. Dort wäre es ein offenes Geheimnis:

 

  • wenn Du eine Phillipinin kennenlernen willst, mußt Du für sie bezahlen
  • wenn Du eine Phillipinin heiraten willst, mußt Du für ihre Familie mitbezahlen
  • wenn Du verheiratet bist und Du stirbst, lebt das ganze Dorf von Deinem Geld

 

Ebenfalls ein offenenes Geheimnis: gerade alte Männer die junge Mädchen heiraten, sterben häufig kurze Zeit nach der Heirat eines "natürlichen" Todes.

Wo kein Kläger ist, findet keine Autopsie statt.

 

"Liebe" bis der Tod sie scheidet...und wenn´s zu lange dauert wird eben nachgeholfen. Unvorstellbar? Na, ich würde es nicht ausprobieren wollen...

 

"Food poisoning" nennt man das.

 

 

Ganz zum Schluß darf ich dann noch eine Gegenfrage beantworten:

 

"Ist es wahr, daß die Pärchen in der westlichen Welt morgens nur einen Kaffee gemeinsam trinken und sich dann den ganzen Tag nicht sehen???"

 

"Nein" antworte ich, "das stimmt so nicht"...

 

"...jeder holt sich alleine auf dem Weg zur Arbeit einen Coffee-to-go"...:-)))))

 

"Was habt ihr für ein armseliges Leben" sagt der junge Kerl, "wir sind den ganzen Tag mit unserer Familie zusammen..."

 

Es wird spät bzw. früh. Trotzdem verabschiede ich mich kurz nach 11 Uhr und bekomme noch mächtig Stress bei der Abreise. Die junge Kambodschanerin, der ich bei meiner Ankunft für die erste Nacht und die darauffolgenden zwei Tage morgens jeweils die 10 $ für das Zimmer gegeben hatte, wünscht mir zunächst in der Hängematte liegend, ganz entspannt eine gute Reise. Doch plötzlich scheint ihr etwas siedend heiß eingefallen zu sein. Sie will nochmal 10 $!

 

Immer wieder erkläre ich ihr, daß ich jeden Morgen spontan entschiede habe, noch zu bleiben und ihr beim verlassen des Guesthouses jeweils die 10 $ gegeben habe. Sie schaltet auf stur und holt den Manager. Dem erkläre ich, daß ich ihr jeden Morgen das Geld gegeben habe. Beide schalten auf stur. Irgendwann biete ich als Kompromiss 5 $ an. Mein Angebot wird abgelehnt.

 

Ohne noch einmal zu bezahlen, radel ich unter lautstarken Protesten vom Hof...

 

 

Der Tag auf der Straße beginnt spät und am Anfang rechne ich noch ein wenig damit, daß irgendwann ein Auto neben mir stoppt und ich als vermeintlicher "Zechpreller" zur Verantwortung gezogen werde. Aber dann fällt mir ein, daß ich irgendwo gehört oder gelesen habe, daß die Polizei nur gegen Bezahlung tätig wird.

 

Ich vergesse den Vorfall. Es geht raus in den Dschungel. Die 4 km lange "Mördersteigung" (laut Fat Sam) hinter Tatai stellt sich als ganz normaler Anstieg raus. Zuvor esse ich in einer Garküche in Tatai zu Mittag und mache sitzend im Plastikstuhl ein Nickerchen, sehr zur Belustigung der Kambodschaner.

 

Irgendwann lassen sich immer weniger Gänge schalten, bis irgendwann gar nichts mehr geht. Gedanklich habe ich mich bereits damit abgefunden, mindestens einen Schaltzug zu wechseln, als mir plötzlich ein anderer Reiseradler entgegen kommt.

 

Sein Name ist Alexeji. Ein supernetter Kerl. Sein ursprünglicher Plan war, seine Heimat von West nach Ost zu durchqueren. Ein Jahr und 8.000 km später hatte er das auch geschafft. Von Wladiwostok aus ging´s nicht mehr weiter östlich, aber er hatte Gefallen am Radnomadenleben gefunden, also entschloß er sich weiter Richtung Süden zu pedalieren.

 

China, Laos, Vietnam und nun Cambodia. Auch er kann nicht mehr schalten, sein Schaltzug ist am Ende. An manchen Steigungen muß er absteigen und schieben. Aber er strahlt eine Fröhlichkeit aus, wie ich sie nur von Reiseradlern kenne. Freiheit um jeden Preis. Es ist der 24. Januar und sein Restbudget bis März beträgt exakt 76 $. Aus diesem Grunde kauft er schon lange kein Wasser mehr. Er kann es sich einfach nicht leisten. Er klopft an den Hütten der Einheimischen und bittet sie darum.

 

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Das ist der Unterschied. Bitten und akzeptieren, egal wie die Entscheidung lautet.

Dankbar sein. Keine üble Nachrede.

 

Nicht fordern, feilschen, sich beschweren und überall von Abzocke reden.

 

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Sein Schlafsack, seine Packtaschen, alles ist dick mit Staub und Dreck überzogen. Aber er scheint glücklich, wie das Bild eindrucksvoll beweist.

 

Es ist später Nachmittag und ich will heute definitiv draußen im Dschungel schlafen. Doch er erklärt mir, daß die nächsten 30 km keine Shops mehr zu erwarten sind, in denen ich Wasser kaufen kann.

 

Im Gegenzug gebe ich ihm die Info, daß in 150 km ein super Bikeshop in Trat auf ihn und seine defekte Gangschaltung wartet. Dann verabschieden wir uns.

 

 

Bis kurz vor 18 Uhr radle ich, einen Zeltplatz suchend, so vor mich hin. Mehrmals wäge ich ab, schaue mir den vermeintlichen Platz an und fahre dennoch weiter. Es fängt an zu dämmern und ich habe ein klares Bild von meinem Traum-Campingplatz vor meinem inneren, geistigen Auge.

 

Nur die Wirklichkeit passt noch nicht dazu.

 

Okay. Dann wünschen wir uns halt einen. Und schwupp, keine 5 Minuten später taucht er links auf. Perfekt. Aber so was von...

 

 

  • leicht erhöht = bessere Übersicht, weniger Gefahr bei unerwarteten Regenfällen und damit verbundenen, möglichen Überflutungen
  • etwas von der Straße entfernt = nicht so schnell zu entdecken, schlecht einsehbar
  • auf der Seite der Gegenfahrbahn = bis mich doch jemand entdeckt, ist er schon vorbei und muß umdrehen, um zurück zum Platz zu kommen und ist dann wieder auf der falschen Fahrbahnseite
  • weit genug vom Dschungel entfernt = weniger Gefahr, daß wilde Tiere plötzlich vor meinem Zelt stehen ;-)

 

Eilig baue ich mein Zelt auf, doch die Moskitoplage bleibt aus. Die haben wohl keine Visa bekommen. Seit ich in Cambodia bin, gibt´s nahezu kein Problem mehr mit den kleinen Plagegeistern.

 

Nachdem ich mich gewaschen habe, rufe ich meine Mails ab. Greg hat falsch geplant und mußte deswegen mehr als 120 km bis zum nächsten Guesthouse radeln. Der Kerl ist echt crazy. Über Google Maps lasse ich die Differenz zu ihm ausrechnen. Ich bin 86 km hinter ihm. Dafür ist er wohl, wie ich in Beni (Nepal), neben einer Karaokebar in einer Art Bordell-Guesthouse gelandet. Inclusive ohrenbetäubender Musikbeschallung bis morgens um 5 Uhr.

 

Dann doch lieber Moskitogesumme und Zikadenkonzert ;-)

 

Greg schreibt noch, er hätte sich am Vortag noch lange mit zwei Radlern unterhalten.

 

Einer davon, kommt gerade angeradelt, als ich am nächsten Morgen meinen Kopf aus dem Zelt strecke.

 

Phil Dicken, Engländer. Und ein sehr netter und gesprächiger dazu. Gefühlte 30 Minuten spricht hauptsächlich er. Witzig finde ich sein Outfit. Radlerhose und langes Outdoorhemd. Würde aber selbst nach vielen Tagen nicht stinken, meint er überzeugt von seiner Funktionsbekleidung.

 

Er erzählt mir von den kräftezehrenden Bergetappen in Laos und dem schlechten Essen in Cambodia. Irgendwann radelt sein Kumpel auf Sichtweite an uns vorbei.

 

Kurz darauf gebe ich ihm zu verstehen, daß ich auch früh aufbrechen will. Greg will noch ne Nacht in Sre Ambel dranhängen, aber das Guesthouse wechseln. Ich könnte also heute abend zu ihm stossen...

 

 

Der zweite Tag Dschungel beginnt und ich freue mich richtig drauf.

 

Irgendwann in der Nacht zuvor ist etwas Größeres über mein Zelt gesprungen oder geflogen. Es war nur eine schwache Wahrnehmung, sofort war ich wieder in tiefen, erholsamen Schlaf gefallen.

 

Es läuft wieder gut. Natürlich auch weil ich am Vortag irgendwann auf die Idee kam, daß mein Schaltzug noch in Ordnung sei. Die Schaltbox war nur lose. Also hatte ich sie festgeschraubt und danach wieder alle 12 Gänge zur Verfügung.

 

 

Je näher ich Sre Ambel komme, umso mehr gehen mir die Worte aus Gregs letzter E-Mail und Phil´s Erzählungen durch den Kopf. Das zelten am Tag zuvor hat mir so gut gefallen, daß ich keine Lust verspüre die Nacht in einem lauten, stickigen, schmutzigen Zimmer, womöglich mit einer Kakerlake zu verbringen.

 

Und wieder wird mein eigentlicher Wunsch erhört. Keine 8 km vor meinem anvisierten Ziel werde ich auf ein Gelände links der Straße aufmerksam.

 

Erneut stellt es sich als nahezu perfekt heraus. Wermutstropfen ist nur die angrenzende Schule, von der aus mein Zelt aber nicht zu entdecken ist. Daß die Kids aber ganau zu dem Zeitpunkt Schulschluß haben, als ich mein Zelt aufbaue, sei nur am Rande erwähnt. Immer wieder werde ich von zwei oder drei Schülern auf ihrem Motorroller entdeckt. Von der leicht erhöhten Straße winken sie mir zunächst zu, um mich ein paar Sekunden später zu besuchen. Sie staunen, lachen und ziehen dann ab. Ihre Daumen zeigen nach oben, sie freuen sich daß ich hier nächtigen will.

 

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