Maden zum Frühstück ?

Was sich anhört, wie eine Frage aus dem Dschungelcamp, dem präferierten Zeitvertreib für hochgeistig,  anspruchsvolle Fernsehzuschauer, brachte mich heute morgen dazu,  abrupt zu bremsen und umzudrehen.

Tatsächlich hatte ich noch nichts im Magen, entschied mich dann aber doch für eine frische Ananas und einen warmen, panierten Hühnerschlegel. Kostete zusammen 70 Baht = 2,73 €.

 

 

Oder doch lieber Heuschrecken?

 

Die angeblichen "Delikatessen" sind aber erst der Anfang von dem, was mich in ein paar Tagen, 200 km weiter südöstlich, erwartet. Und man muß es ja nicht essen. Werde ich auch nicht tun. Nee, das kann ich mir verkneifen. Das hat Zeit, bis ich es notgedrungen tun muß. Was hoffentlich nie der Fall sein wird...

 

 

Doch noch einmal 3 Tage zurück, zu meiner letzten Nacht im Zelt.

 

Nachdem ich genüßlich die Hälfte der süßen Stückchen verzehrt hatte, war ich das erste Mal kurz vor 20 Uhr eingedöst und gegen 23 Uhr wieder aufgewacht, weil es regnete und ich pieseln gehen mußte. Gesagt, getan.

 

Es hatte abgekühlt. Danach habe ich bis gegen 1 Uhr weitergeschlafen. Wieder mußte ich für kleine Jungs...und weil es gerade so schön regnete und im Zelt schon die ganze Nacht superheiß und schwül war, dachte ich, so eine kleine, natürliche Dusche kann mich ja doch herrlich erfrischen.

 

Also habe ich mich noch ein wenig draußen aufgehalten, in der Vorstellung, daß Moskitos a) ein Nachtflugverbot haben und b) bei Regen sowieso nicht fliegen, weil sie ja sonst von den Regentropfen erschlagen werden.

 

Im Ernst, solche Überlegungen laufen da in so einem Augenblick in meiner Birne ab...

 

Außerdem war da ja noch am Zelteingang dieses riesengroße, rote Moskito-Eintritts-Verbotsschild.

 

Als ich wieder in meinem Zelt lag, merkte ich schnell, daß das Schild seine Wirkung mehr als verfehlt hatte und ich nicht mehr alleine war.

 

Man hatte mein Verbot schlicht und einfach ignoriert und mein offen stehendes Zelt als Einladung betrachtet.

 

Wir waren viele. Viele Moskitos und ich. Und weil man mit so vielen Moskitos nicht schlafen kann (also nicht sexuell oder räumlich betrachtet, sondern von der Geräuschkulisse und der Zutraulichkeit her) begann ich schweren Herzens damit unsäglich viel negatives Kharma anzusammeln. Seit mehr als sechs Jahren hatte ich keinem Moskito mehr Leid zugefügt und hier in unmittelbarer Nähe eines buddhistischen Klosters meinte ich es tun zu müssen. Ein schwerer Moment für mich, der mir wieder einmal gezeigt hat, wie schwer es ist, sein Selbst nicht in den Mittelpunkt zu stellen.

 

Am Morgen danach baue ich mein Zelt ab. Alles ist naß und mit roter, schmieriger Erde überzogen. Jetzt sehe ich auch ein, daß die Unterbodenplane tatsächlich zum jeweiligen Zelt passen muß, ansonsten kann sie ihren Zweck nicht erfüllen. Meine Plane ist zu groß und überall steht Wasser unter dem eigentlichen Zelt.

 

Danach geht es zurück auf die Straße. Sonntagmorgen in Thailand. Alles ist friedlich und ruhig. Ich komme nicht richtig in die Gänge. Fühle mich schlapp. Nach ein paar Kilometern das erste Fischerdorf. Die Restaurants haben bereits offen. Also ist Frühstück angesagt. Scampisuppe mit Reis. Der Himmel ist grau. Der Wind bläst mir die Suppe zeitweise vom Löffel, bevor er den Mund erreicht. Ich werde trotzdem satt.

 

Anschließend radel ich hoch zu einem Aussichtspunkt, der seinen Namen nicht verdient hat. Ich versuche in die Gänge zu kommen. Ein Rudel junger Hunde will mir dabei helfen. Der Anführer entdeckt mich, beginnt zu bellen und schaut sich hilfesuchend nach seinen noch etwas morgenmüden Kumpanen um. Frei nach dem Motto: kommt Jungs und Mädels, laßt uns ein wenig Spaß haben, da ist ein Radfahrer und als thailändische Hunde ist es unsere Pflicht ihn zu jagen. Sie haben es kapiert. Die Jagd beginnt. Ich radel gelangweilt weiter. Mit Ignoranz können sie noch nicht umgehen...

 

 

Kurz danach kommen mir auf der Gegenseite zwei andere Reiseradler entgegen. Freudig überrascht halten wir an. Ich wechsle auf ihre Straßenseite. Andere Reiseradler zu treffen ist immer ein Höhepunkt. Man lernt tolle Frauen und Kerle kennen, hört deren Geschichte, bekommt interessante Tipps und Einschätzungen und freut sich einfach Gleichgesinnte getroffen zu haben. Man merkt dann: ich bin nicht der Einzige, dem dieses Nomadenleben gefällt und dem die Welt Zuhause einfach zu bürgerlich, zu normal, zu eingeengt und zu intolerant erscheint.

 

"Reisen erweitert den Horizont". Wahrlich.

 

 

Reinhold Messner auf die Frage:

 

"Was war die wichtigste Entscheidung Ihres Lebens?"

"Es war der Entschluss, gemäss meinen Wünschen, Vorstellungen und Träumen zu leben und nicht nach denen meiner Eltern, Lehrer oder Brüder. Ich habe mich nicht in eine bürgerlich brave Welt zwingen lassen."

 

Annelies und Paul sind zunächst von Bangkok aus hoch in den Norden nach Chiang Mai, bevor sie dann weiter nach Laos geradelt sind. Dort hatte Paul verdorbene Eier gegessen und sich eine Lebensmittelvergiftung zugezogen.

Als es nach zwei Wochen nicht besser wurde, haben sie ein Krankenhaus aufgesucht. Durch Injektionen konnte ihm dann endlich geholfen werden.

 

Das hört sich nach Schmerzen an. Und das im Dschungel von Laos.

Eier. Ich muß aufpassen.

 

Als ich sie an diesem Morgen treffe, sind sie auf dem Weg Richtung Bangkok und dann weiter nach Myanmar.

 

Bei beiden Rädern fällt mir der neuartige Antrieb mit Zahnriemen auf. Das wäre was für mich. Fast täglich springt meine Kette ab.

 

 

Im nächsten Dorf strande ich. Ich bin zu müde, fühle mich auch nach dem Frühstück schlapp. Also höre ich auf meinen Körper und nehme mir einen schönen, klimatisierten Bungalow und schlaf erst mal aus. An nächsten Tag will ich weiter.

 

Doch es sollte anders kommen...

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