Falsche Entscheidung? - Jomsom - Kagbeni (Day 5)

Tibetian Bread mit gesüßtem Milchtee bildet die Grundlage für meine kurze aber landschaftlich bereits sehr beeindruckende Etappe, an Tag 5, von Jomsom nach Kagbeni.


 

Der Teig, der sich lediglich aus Wasser, etwas Backpulver und Mehl zusammensetzt, wird zunächst ausgerollt, eingeschnitten und dann in heißem Öl ausgebacken bzw. frittiert. Wunderbar zum Tunken geeignet oder in Kombination mit Butter, Marmelade oder Honig.

 

Nach dem Früstück nehme ich meine frisch gewaschene Wäsche in Empfang, packe meine sieben Sachen und mache mich auf den Weg. Am Checkpoint, wenige Meter von meinem Guesthouse entfernt, steige ich nochmals kurz vom Rad, um mich, wie am Vortag vereinbart, abzumelden. Danach halte ich kurz an einem Shop, kaufe vier Packungen Coconut-Biskuits, die ich vor sieben Jahren schon schätzen gelernt habe und 100 g Chillies, um dem Essen etwas mehr Pep zu verleihen. Ich liebe scharfe Speisen.

 

Dann geht es los, zunächst über eine ziemlich schmale Holzbrücke, dann weiter Richtung Kagbeni.


Dem Ausgangsort für alle Touren nach Upper Mustang.

 

 

Hinter Jomsom gabelt sich die "Straße". Rechts ist ein moderater Ansteig zu sehen, links führt die Piste in das größtenteils ausgetrocknete Flussbett des Kali Gandaki.

 

Also runter, denke ich und erinnere mich an den Tipp von Chris Drokpa:

 

Im Flußbett radelt es sich nicht unbedingt gut, doch die Jeeps und LKWs, die zum Teil diesselbe Strecke nutzen, haben die Steine etwas in den weicheren Untergrund gedrückt. Konzentriert suche ich meine Linie und bahne mir so meinen Weg.

 

 

Der Wind hier unten bläst heftigst. Zum Glück von hinten. Nach und nach begegne ich immer mehr Trekkern, die entweder von Upper Mustang oder Muktinath herunterkommen und den schönsten Teil ihr Tour damit hinter sich haben. Die meisten sind total vermummt. Das ist mancherorts, wie auch hier, sehr sinnvoll, damit sich die Augen und Atemwege nicht mit Staub und Sand füllen. Die Nepalis machen es vor, der Tourist lernt und adaptiert. Nach einigen Tagen festigt sich in mir aber das Gefühl, das die Vermummung bei vielen Trekkern wahrscheinlich auch einen gewissen Coolnessfaktor besitzt. Selbst in den Ortschaften und bei wenig Wind sieht man oft nichts mehr von den Gesichtern der westlichen Menschen. Vermumme ich mich aber zuhause im Winter in Deutschland, dann solltet ihr mal die zutiefst mißtrauischen Blicke einiger "besorgter Bürger" sehen.

 

Nachdem ich eine ganz Zeit lang im Flußbett geradelt bin, führt die Piste Richtung Ufer zurück, steigt danach leicht an, um dann auf Halbhöhe über dem Flußbett weiter zu verlaufen.

 


Als ich einige Zeit später um eine Biegung komme, bieten sich mir wieder zwei Möglichkeiten. Entweder rechts einen kleinen Anstieg hoch oder links runter ins Flußbett, an dessen Rand sich auf Sichtweite "Old Kagbeni" befindet. Also links. Das Dorf besteht nur aus ein paar Häusern bzw. Guesthouses. Vor dem letzten sitzen ein paar Nepalis. Rechts geht es steil hoch zur Piste, geradeaus, vor mir, lockt ein Singletrail. Die Beiden bestätigen mir auf eine Nachfrage, daß beide Varianten nach Kagbeni führen. Die Entscheidung ist gefallen, zu verlockend liegt der Pfad vor mir. Ein paar Minuten später muß ich erkennen, daß diese Entscheidung nicht unbedingt die cleverste war.



Nie im Leben hätte ich mir vorstellen können, solch einen schmalen Pfad mit dem Reiserad zu fahren bzw. rauf zu schieben.


 

Dann ist der Trail plötzlich durch größere Steine blockiert und ich kann nur über eine sehr ausgesetzte Stelle, Zentimeter für Zentimeter, mein Bike vorwärts manövrieren.

 

Dabei ist mir bewußt, daß ein falscher Tritt oder eine falsche Gewichtsverlagerung mich unweigerlich in den Abgrund befördern würde.

So kämpfe ich mich weiter nach oben. Meter für Meter. Suche immer wieder die paar Zentimeter auf dem Pfad, die es mir ermöglichen, zwischen den hinteren Packtaschen und dem Lenker balancierend weiter noch oben zu kommen. Alle paar Meter stütze ich mich auf mein Bike und erhole mich kurz. Doch irgenwann habe ich es geschafft. Der Pfad mündet wieder in die Fahrpiste. Kurz darauf erreiche ich dann pedalierend Kagbeni.


Das hatte ich mir irgendwie einfacher vorgestellt, aber alles ist gut gegangen.


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Kommentare: 1
  • #1

    Patricia Friedrich (Dienstag, 24 November 2015 14:15)

    Ich bin mal wieder recht sprachlos nach diesem Bericht. Ich wünsche dir weiterhin gute und sichere Touren. Komm gesund wieder.

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