Schienenbruch in Myanmar...

Allzu gut erinnere ich mich an meine beiden Bahnfahrten in Myanmar Ende Dezember 2014. Von Yangoon aus, der ehemaligen Hauptstadt, war ich mit dem Nachtzug nach Bagan ins Tal der 3.000 Pagoden gefahren. Drei Tage später ging es die gleiche Strecke wieder zurück. 




Auf der Hinfahrt, kurz vor der Ankunft in unserem Zielbahnhof, hatte der Zug gehalten und war nicht mehr weiter gefahren.


Da ich beschäftigt war und auch sonst ziemlich relaxt, war mir der ungewöhnlich lange Stopp zunächst gar nicht aufgefallen. Doch dann wurden wir darüber informiert, daß es auf der Strecke einen Schienenbruch gegeben habe und wir mindestens eine Stunde an dieser Stelle stehen würden. Kurz darauf kam der Schaffner in unser Abteil und teilte uns mit, daß nicht klar wäre, ob wir nach der Stunde überhaupt unsere Fahrt fortsetzen könnten. Alle Türen wären bereits entriegelt und wir könnten den Zug verlassen, um selbstständig zu schauen, wie wir von hier wegkämen. Nur die Türen des Gepäckwagens dürften sie nicht öffnen, also müsste ich mein Rad und meine Ausrüstung in den nächsten Wagon schaffen, um von dort den Zug zu verlassen. Gesagt - getan.


Ein freundlicher Einheimischer hielt mir die Abteiltür auf und Sekunden später radelte ich bereits am Zug entlang. Die meisten anderen Reisenden hatten den Zug ebenfalls verlassen und unterhielten sich darüber, wie sie wohl von hier wegkommen könnten. Taxis, Verwandte und Bekannte wurden angerufen. Die Bahngesellschaft selbst kümmerte sich nicht um uns. Schienenersatzverkehr? Fehlanzeige.

Eine kurze Zeit genügte mir, mich zu orientieren. Danach ein prüfender Blick auf die iPhone App. Passt. Mein innerer Kompass hatte mich nicht getäuscht. Rechts von mir war Süden. Und genau da wollte ich hin. Eine kurze abschüssige Strecke folgte bevor ich die Ebene erreichte. Nochmals überprüfte ich, ob ich auch wirklich in der richtigen Richtung unterwegs war. Da vorne mußte ich nach rechts abbiegen. Dann war ich auf der richtigen Straße unterwegs. Gut eine Stunde radelte ich noch weiter. Hinter mir ging die Sonne langsam unter. Es wurde empfindlich kalt und ich hatte weder eine Stirnlampe, noch ein Rücklicht. Mir blieb nicht mehr viel Zeit von der Straße runter zu kommen. Die wenigen Autos, die hier fuhren rasten mit zum Teil halsbrecherischem Tempo an mir vorbei. Endlich ein Ort. Ein Hinweisschild. Links rein in die Seitenstraße. Da mußte ein Gasthaus sein. Noch 500 m.


Je mehr ich mich dem Gasthaus nähere, umso mehr befürchte ich, daß es gar nicht geöffnet hat.


Die Befürchtung bestätigt sich. Das Gasthaus scheint seine beste Zeiten hinter sich zu haben. Also wieder zurück zur Hauptstraße. Vor einem Haus steht eine Einheimische. "Gibt es hier noch ein anderes Gasthaus" frage ich sie. Sie glotzt mich nur an. Dann eben nicht.


Zurück auf der Hauptstraße radel ich noch gut zwei Kilometer bis linker Hand ein weiteres Gasthaus auftaucht. Es ist bereits dunkel, als ich mein Rad davor abstelle und die Räumlichkeiten betrete.


Eine halbe Stunde später, ich sitze gemütlich an der Bar, geht die Tür auf und meine Mutter betritt das Restaurant um mich abzuholen.


Krasse Geschichte. Hört sich an wie Myanmar.


Hat sich aber gestern im tiefsten Bayern zugetragen. Taugt gut als Denkanstoß - oder ?

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