Annapurna by bicycle - 3. Bahundanda - Tal

14. Oktober 2017

 

Raus aus dem Schatten und rein in die Sonne. Als dieses Bild gegen 10 Uhr entsteht, habe ich den anstrengendsten Teil des heutigen dritten Tages, bereits hinter mir.

 

Wie mit dem Hotelbesitzer verabredet, stehe ich um 6 Uhr vor seinem Restaurant. Wer nicht erscheint ist er. Nach ein paar Minuten vergeblichen Wartens bewege ich mich Richtung Wohnhaus und rufe nach ihm. Immer wieder. Bis er endlich antwortet. Kurz darauf erscheint seine Frau und beginnt endlich damit mein tibetian bread und meinen Milchtee zuzubereiten.

 

Irgendwann erscheint auch der Junior des Hauses. Ich nutze meine Chance und fordere ihn auf, mir meine 100 Rupies (0,82) zurück zu erstatten. Bezahlt hatte ich sie am Abend vorher für das hauseigene WLAN. Das wurde aber über Nacht abgeschaltet, also konnte ich es auch nicht nutzen. Anstandslos erklärt er sich damit einverstanden.

 

Mit Aussicht auf den Anfang meiner heutigen Etappe verspeise ich die in Fett gebackene Köstlichkeit und schlürfe meinen Milchtee dazu. Dann starte ich in den

Tag. Vorbei an ein paar ärmlichen Hütten gelange ich schnell zum höchsten Punkt des Dorfes. Dort wartet die erste, längere Abfahrt auf mich, gefolgt von einem interessanten aber anstrengenden Höhenweg auf dem ich weitest gehend alleine unterwegs bin.

 

 

Das ganze auf und ab gestaltet sich als äußerst anstrengend. Besonders das Bike stufenweise die Treppen oder Felsen hoch zu wuchten. Dann wieder vorsichtig die runden, glitschigen Felsen hinunter balancieren. Ja nicht umknicken, denke ich. Dann wäre mein Trip vorzeitig zu Ende.

 

Dennoch kippe ich an diesem Morgen bei einer Bachquerung seitlich ins Wasser. Unverletzt befreie ich mich von meinem Rad, krieche darunter hervor und richte mich vorsichtig wieder auf. Alles noch einmal gut gegangen.

 

 

In Chyamche wechsle ich über oben zu sehende Hängebrücke von der rechten Flußseite - dem alten Annapurna Trekkingpfad - auf die linke Flußseite und damit auf die relativ neue Piste.

 

Ab jetzt gelingt es mir immer wieder längere Abschnitte zu pedalieren, bis ich ein lauschiges Plätzchen für meine Mittagspause gefunden habe.

 

Doch vor dem Genuss steht noch etwas Arbeit an. Die am Vorabend von Hand gewaschene Wäsche, die bisher auf meiner Lenkertasche zum trocknen lag, wird nun final in der prallen Mittagssonne platziert.

 

Dadurch, daß ich meist recht früh starte, schaffe ich bis zum Mittagessen häufig den Löwenanteil meiner Tagesetappe und kann so bis zu zwei Stunden im Schatten ausruhen.

 

So auch heute. Ich bestelle mein Dal Baht und bestaune beim Essen den tosenden Wasserfall.

 

 

Nachmittags geht es weiter abwechselnd auf Betonplatten beziehungsweise meist auf Geröll- oder Felspiste. Von der anderen Seite des Flusses grüßt der alte Annapurna Trekkingpfad, der kaum noch begangen wird. Auf der Straße geht es mit Motorfahrzeugen schneller (!). Wer nimmt sich eigentlich noch die Zeit zu leben?

 

 

Ganz im Gegensatz zum vorigen Tag läuft es heute richtig schön rund. Ich bin mal wieder weitestgehend alleine unterwegs, die paar Trekker, die ich treffe, ignoriere ich so weit möglich, denn anders als in den Alpen scheint man hier nicht einmal "hallo" zu sagen.

 

Ich lasse sie bei den Anstiegen an mir vorbei ziehen, um sie bei der nächsten Abfahrt zu überholen. Dabei gewinne ich mehr an Abstand, als ich verliere.

 

Das Leben erscheint mir einmal mehr wunderschön. Radeln, essen, trinken, schlafen. Mehr brauche ich nicht, um total glücklich zu sein. Hier und jetzt.

 

 

Unten, in der Talsohle rauscht der Gebirgsfluss. Weit darüber windet sich die Straße immer weiter nach oben. Vorbei an gigantischen Wasserfällen. Über Bambusbrücken. Steil. Ausgesetzt. Die Natur inszeniert sich selbst. Und ich radel in der ersten Reihe.

 

Wie weit es wohl noch nach Tal, meinem heutigen Ziel, ist?

 

 

Mir begegnet ein Tal abwärts fahrender Pickup mit vier Mountainbikes auf der Ladefläche. Kurz darauf kommen mir wahrhaftig ein paar Mountainbiker mit Rennnummern an den Lenkern entgegen. Einige grüßen freudig, einer schaut nur missmutig arrogant. Ich bin doch nicht der einzige Radler auf dieser Strecke...

 

 

Endlich scheint es bergab zu gehen. Um eine Kurve herum. Einen weiteren Gegenanstieg hoch. Und wieder bergab. Wow! Vor mir liegt Tal. Wie auf einem Präsentierteller. Rechts des Flusses. Umgeben von steilen Bergen. Wie gemalt, denke ich.

 

 

Oberhalb von Tal verlasse ich die Hauptpiste. Noch zwei Serpentinen, dann habe ich den Talboden erreicht. Doch was ist das?

 

Vor mir liegt ein Pickup auf dem Kopf. Ein paar nepalesische Frauen mit ihren Kindern begutachten das Szenario. Als ich näher komme, wird mir klar, dass der Pickup eine Kehre weiter oben abgestürzt sein muss und hier zum Liegen gekommen ist. Rechts entdecke ich kleine israelische Fähnchen.

 

Beim meiner Internetrecherche entdecke ich die ganze tragische Geschichte.

 

Einmal mehr wird mir klar, wie schnell mein Leben zu Ende sein könnte. Jeder Moment kann der letzte sein. Einer der Gründe, warum ich jetzt lebe und nicht erst morgen, übermorgen oder irgendwann.

 

Warum ich das tue, was ich tue.

 

Jetzt. Heute. Nicht erst wenn ich in Rente bin...

 

 

Trauriger Teil eines sonst so schönen Tages. Eines Tages, der mir wieder Hoffnung und Zuversicht in Bezug auf mein großes Ziel gegeben hat. Heute war alles anders als gestern. Während ich den letzten Kilometer nach Tal hinüber radel vergesse ich schnell, was ich gerade gesehen habe. Zu sehr überwiegt das Positive an diesem Tag.

 

Tal ist hübsch. Ein Guesthouse folgt auf das nächste. Und plötzlich rennen mir die hübschen Frauen hinterher und sprechen mich an. Zuerst eine Spanierin, dann eine junge Kalifornierin. Ich bin der einzige Mountainbiker und das scheint interessant zu sein.

 

Am Ende von Tal finde ich eine ruhige, abgelegene Unterkunft. Duschen, essen, schlafen.

 

Gegen 2 Uhr 30 werde ich wach. Oder habe ich das nur geträumt. Die Antwort bringt der folgende Tag...

 

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