Das ist unmöglich! - Ist es nicht...

19. Januar 2017 - abends. Vor mir auf dem Bildschirm, das Profil für den nächsten Tag:

 

  • 2.500 Höhenmeter
  • 88 Kilometer

 

"That´s impossible" sage ich zu Mike, um gleich darauf zu relativieren: "You can make it, but for me it´s not possible. I´ve never done that before."

 

Vor 14 Jahren habe ich am ersten Tag meiner ersten Alpenüberquerung 2.100 Höhenmeter mit dem Mountainbike geschafft und beim Absteigen vom Fahrrad Krämpfe in den Oberschenkeln gehabt.

 

Doch mich reizt die Herausforderung. Wir sind uns einig: Wir können es nur schaffen, wenn wir sehr früh aufbrechen. Wie die Bergsteiger setzen wir uns Zwischenziele. 

 

  • Start ist um 6 Uhr
  • die ersten 1.100 Höhenmeter am Stück müssen bis spätestens 11 Uhr im Kasten sein
  • Spätestens um 17 Uhr muß der letzte Anstieg bewältigt sein, damit wir noch bei Tageslicht die 18 Kilometer lange Abfahrt nach Muang Kham sicher hinter uns bringen können.

 

 

Am nächsten Morgen nehmen wir uns zunächst die Zeit einen Kaffee zu trinken. Anschließend wird auf dem Morgenmarkt eingekauft. Mike deckt sich mit Softdrinks ein, ich kaufe mir zwei Tüten mit noch warmem Klebreis und Bananen.

 

Tatsächlich startet Mike um kurz nach 6 Uhr 30, bei mir wird es 7 Uhr bis ich endlich loskomme. Das Kabel meines Bikecomputers ist am Tag zuvor abgerissen und ich benötige irgend etwas um mich zu motivieren bzw. um ungefähr zu wissen, wie viel ich schon geschafft habe.

 

Also lade ich mir RUNTASTIC auf meine iPhone. Dazu muß ich aber erst wieder Guthaben auf meine Simkarte laden. Das Heroin des modernen Hightechzeitalters. Kein Guthaben - keine App.

 

Dann endlich starte auch ich.

 

 

Den ganzen Tag, mehr als elf Stunden kämpfen wir gegen die Uhr und schaffen es letztendlich Beide. Mike besser wie ich, denn einen Tag später rolle ich mit Mühe und Not in Phonsavan ein und träume dabei nur von einer heißen Dusche, etwas Wärme und einem Bett.

 

Noch einmal zu meinem Lieblingsthema Computer und Apps:

 

Runtastic hat mir geholfen, immer daran zu glauben, es schaffen zu können.

Mutmaßlich mit zu hohen Angaben. Am Ende stehen mehr als 3.000 Höhenmeter im Tagesprotokoll. Die Webseite www.ridewithgps.com hat 2.514 Höhenmeter in der Planung berechnet. Mike´s Garmin zeichnet keine 2.000 Höhenmeter an diesem Tag auf.

 

Für uns hätte das im schlimmsten Fall bedeuten können, daß wir unser Tagesziel nicht erreichen und hätten zelten dürfen. Im professionellen Expeditionsbereich können Dich solche Stümperlösungen Dein Leben kosten. Verlasse Dich auf Technik und Du bist verlassen...

 

Gestern, am Ruhetag, ist spätestens klar, daß ich mich bei der 18 Kilometer langen Abfahrt erkältet habe. Um 19 Uhr liege ich fix und fertig im Bett. Schlafe durch bis 4 Uhr. Wache auf und schlafe weiter bis 7 Uhr und dann bis 9 Uhr.

 

Dann sage ich Mike ab. Ich bin zu platt. Eine Stunde später geht mir das Hotelpersonal so auf den Senkel, daß ich mich doch zum weiter radeln entschließe. Es wird eine entspannte Etappe. Normalerweise. 55 Kilometer und knapp 500 Höhenmeter. Heute strengt mich sogar das an. Und die Nase ist noch immer nicht frei, die Finger und Füße eiskalt.

 

Ein total abgemagerter junger Hund lässt mich am Abend meine eigenen Befindlichkeiten aber schnell vergessen. Er bekommt das Fleisch aus meiner Suppe und eine extra Schale Reis. Es gibt heute Schlimmeres als mein selbst gewähltes Reiseradlerleben.

 

Die nachfolgenden Bilder der letzten Tage lasse ich aus Mangel an Energie weitest gehend unkommentiert...

 

 

Dienstag, 17. Januar

 

 

Mittwoch, 18. Januar

 

 

Donnerstag, 19. Januar

 

 

Das ist für dich Ma;-)...

 

Du weißt ja, daß ich schon seit Jahren mal eine Inversionswetterlage im Chiemgau vom Berg aus erleben wollte. Hat bisher nie geklappt. Jetzt, in Laos, nach einer wunderbaren Campingnacht oben in den Bergen, komme ich aus meinem Zelt... et voilà...alles braucht seine Zeit.

 

 

Wir sind jedoch nicht die Einzigen, die in den Bergen campiert haben. Die Sonne wärmt uns zunächst, doch als wir auf der langen Abfahrt dann in die Wolken eintauchen und am Ende im Tal auf ein Dorf stoßen, sitzen die Menschen frierend vor ihren ärmlichen Hütten an kleinen Feuern und wärmen sich.

 

Wie überall in Laos breitet sich unsere Ankunft unter den Kindern wie ein Lauffeuer aus. Dennoch halten sie vorsichtig Abstand. Wahrscheinlich wirken wir doch etwas Furcht erregend groß. Mit Hilfe von Bonbons brechen wir dann aber das dünne Eis.

 

 

Daß die Menschen hier bettelarm sind, das war mir ja schon bewußt, aber als ich diese Kinder und ihre selbstgebastelten Fahrzeuge gesehen habe, das hat mich schon tief berührt. Besonders, weil sie die Vehikel erst vor mir verstecken wollten. Es war ihnen wohl peinlich. Erst als ich meine Begeisterung dafür zum Ausdruck gebracht habe, ist einer der Burschen vor meinen Augen den lehmigen Abhang hinunter gerast und alle waren plötzlich stolz auf Ihre Bambusschlitten.

 

 

Dann entdecke ich die ersten Kriegsüberreste am Straßenrand...

 

 

Der Tag nach der Rekordfahrt wird zur Tortur. Für mich und für die Tiere (Igel in Käfigen), die am Straßenrand feil geboten werden. Nur die toten Ratten und Rehe haben es bereits hinter sich. Doch wen wundert es? Was würden wir tun, wenn wir in solch einer Armut leben müssten?

 

 

Doch das ist nicht die einzige Herausforderung mit denen die Menschen hier zu kämpfen haben. Seit wir vor ein paar Tagen Vietnam verlassen haben, befinden wir uns auf historischem Boden. Im negativen Sinne.

 

 

Nirgendwo auf der Welt schlummern so viele Blindgänger wie auf der "Ebene der Tonkrüge" in Nordlaos, zugleich eine der am wenigsten entwickelten Regionen der Welt. Wie viele es sind und wo sie liegen, weiß keiner genau. Sicher ist bloß: Von 1964 bis 1973 warfen US-Piloten etwa 270 Millionen Streubomben über Laos ab, diese Zahl hat das US-Nationalarchiv dokumentiert. Weitgehend unbemerkt von der Weltöffentlichkeit gingen 2,5 Millionen Tonnen Munition in dem bergigen Land nieder - mehr Bomben, als die Alliierten im Zweiten Weltkrieg auf Deutschland und Japan zusammen warfen.

 

Große Bomben mit mehr als 100 Kilogramm Sprengstoff machten nur einen Teil davon aus, viel verheerender war der Abwurf von Clustermunition. Man kann sich das vorstellen wie einen Sack Konfetti, der aufplatzt. Die Bomber lassen einen großen Torpedo fallen, er enthält bis zu 900 Sprengkörper, jeder so groß wie eine Mandarine oder ein Apfel. Einige hundert Meter über dem Boden platzt die Schale auf und verstreut die Fracht in der Landschaft. Neun Jahre lang fiel im Schnitt fast jede Sekunde eine Streubombe auf Laos.

 

 

Und etwa jede dritte explodierte nicht.

 

 

Diese Blindgänger sind gefrorene Geschichte, die darauf wartet zu tauen. Und wenn es passiert, dann trifft es unbedarfte Menschen wie Phongsavath Manithong. Es ist sein 16. Geburtstag, als der Schüler vom Unterricht heimläuft und einer seiner Freunde etwas Rundes, Schwarzes auf dem Boden findet. Das glänzende Ding zieht sie an, niemand von ihnen hat so etwas je gesehen. Gib es mir, sagt Phongsavath. Sein Freund drückt ihm die Metallkugel in die Hand. Die Kugel explodiert, alles wird schwarz. Als er aufwacht, liegt er im Krankenhaus, er hat beide Hände verloren und ist blind. Die Bombe hat seine Hände zerfetzt, die Ärzte haben sie amputiert.

 

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wissen/blindgaenger-in-laos-genug-bomben-fuer-jahre-1.2349738

 

 

Montag, 23. Januar

 

 

Heute fällt es uns besonders auf, daß rechts und links der Straße riesige Areale mit Stacheldraht umzäumt sind. Land, von dem Niemand weiß, wie viele Bomben sich noch darin befinden?

 

  • in Laos muss jeder Bauplatz und alle Felder zuerst auf nicht explodierte Sprengkörper untersucht werden, das heißt: "Bevor in Laos die Zukunft stattfinden kann, muss die Vergangenheit weggeräumt werden", das bedeutet, die Bombenräumer müssen immer "die ersten auf dem Platz" sein;
  • die Landwirtschaft ist dadurch bis heute zum Teil völlig blockiert, der traditionelle Reisanbau kann nicht durchgeführt werden, die Felder sind "bombenverseucht"

 

Auszüge aus: http://www.arbeit-und-leben-hochtaunus.de/Laos.%20US-Bombenkrieg%20gegen%20Laos%201962-1975.pdf

 

 

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