Chiang Mai - Fang (Road 107) by bicycle

Gestern, kurz nach 10 Uhr fahre ich noch kurz bei Nu vorbei, verabschiede mich und dann geht´s raus aus Chiang Mai Richtung Norden.

 

Der Tag verläuft eigentlich unspektakulär, bis ich am frühen Nachmittag plötzlich laute Rufe jenseits der anderen Straßenseite vernehme. Sofort bremse ich mein Fahrrad ab und lausche. Die lauten Stimmen klingen aggressiv und sie kommen von mehreren Männern, das wird mir schnell klar. Ich schaue hinter mich und nachdem auch kein Gegenverkehr sichtbar ist, wechsle ich schnell die Straßenseite. Das Schauspiel, das sich mir dann bietet, ist einfach nur traurig. Vier oder fünf Männer versuchen einen Elefanten auf die Ladefläche eines LKWs zu bekommen. Doch der Elefant quetscht sich in seiner Todesangst (?) zwischen einen Baum und den LKW. Die Männer schlagen mit ihren Elefantenhaken auf ihn ein. Für mich unfassbar. Wie kann man so mit Tieren umgehen? Am linken Hinterbein meine ich Urin zu erkennen, das in kleinen Rinnsalen herab läuft. Im gleichen Moment  fängt der Elefant auch noch an zu koten. Für mich ein klares Zeichen dafür, wie ängstlich er ist.

 

Bestie Mensch. Ein weiteres Mal.

 

Ich werde nicht einmal mehr wütend, so dumm und respektlos ist unsere Spezies.

 

 

Mit Ausnahme dieses Situation macht es Spaß, wieder auf der Straße zu sein. Es geht lange Zeit flach durch die Landschaft. Am Ende des Tages stehen 80 km und 400 Höhenmeter auf dem Tacho.

 

Meine Intuition leitet mich zu einem sich noch im Bau befindlichen Ressort mit Campingplatz. Zuerst zögere ich, doch dann fahre ich Richtung Gastfamilie, die gerade dabei ist, die ersten Vermietzelte aufzubauen. Ich frage nach dem Preis und schiele gleichzeitig nach den Sanitäranlagen hinter mir.

 

Der Tochter des Hauses, die als Architektin vier Jahre lang in Singapur gearbeitet hat, ist mein Blick nicht entgangen. Alles ist nagelneu, sagt sie und das sehe ich. Damit ist die Entscheidung gefallen. Ich baue mein Zelt auf. Danach geht es auf das WC und zum duschen. Wie in einem deutschen Neubau. Einfach wow! Zum Preis von 100 Baht (2.63€).

 

Meine Nachfrage nach Essen wird verneint. Dafür ist Bier im Angebot. Kurz zögere ich, doch dann lehne ich das Angebot ab. Ein paar Minuten lese ich noch, während dessen fallen mir fast die Augen zu. Es ist noch nicht einmal 20 Uhr.

 

Also schlafen. Gegen 3 Uhr wache ich das erste Mal auf. Ich muss pinkeln. Doch aus Angst davor, dass ich Moskitos ins Zelt bekomme, lasse ich die Stirnlampe im Zelt. Deswegen finde ich draußen meine Sandalen nicht. Dann halt barfuß.

 

Während ich durch die Dunkelheit stackse, fallen mir Schlangen ein. Vor mir ist eine größere, unbeleuchtete Stelle. Durch und hoffen. Alles gut. Auch auf dem Weg zurück habe ich keinen Feindkontakt. Aber so wie ich durch die Gegend trample sind die Schlangen wahrscheinlich alle schon nach Laos geflüchtet.

 

Mehr als 11 Stunden später wache ich auf. Woran? An tratschenden Frauen. Mir fällt wieder ein, was ich schon oft gedacht habe: wenn irgendwo auf der Welt das tratschen erfunden wurde, dann in Thailand oder im Schwabenländle.

Ich werde das nie verstehen. Muss ich auch nicht.

 

 

Während ich das Zelt abbaue, kommt die Chefin und fragt mich ob alles in Ordnung war und ob ich Frühstück möchte. Logisch!

 

Ein paar Minuten später steht ein dampfend heißer Kaffee vor mir. Kurz darauf trifft ein kleines Pfännchen mit einem Spiegelei, vier Ecken Toastbrot und hausgemachte Erdbeermarmelade nebst Butter ein.

 

Während mein Blick ein paar goldgelben Vögeln in der Ferne folgt, kaue und genieße ich. Auf meine Fragen hin erzählt mir die Chefin voller Stolz von ihrer Tochter, der Architektin, die kurz danach auch wieder auftaucht.

 

Als ich alles weggeputzt habe, bezahle ich die vorsichtig geforderten 80 Baht (2.10€) und mache mich wieder auf den Weg.

 

 

Nebel liegt über den Feldern und durchdringt überall den Dschungel.

 

Es ist die Freiheit, jeden Morgen wieder los zu ziehen, die ich an dieser Art Leben so liebe. Du hast fast nichts dabei. In meinem Fall in fünf Taschen verpackt. Und Du machst nichts außer Dich zu bewegen. Und das Wichtigste, das mir heute wieder klar geworden ist: du bist umgeben von Natur. Von Grün. Frische Luft umweht deine Nase. Du isst, wenn du Hunger hast, nicht weil Mittagspause ist.

 

Du machst ein Nickerchen, wenn es zu heiß wird. Irgendwo im Schatten findet sich immer ein Plätzchen. Und Du fährst wieder weiter, wenn Du meinst der Zeitpunkt dafür ist gekommen.

 

Klar, ich verdiene heute nur noch eine Bruchteil dessen, was ich in der Softwarebranche im Vertrieb verdient habe. Doch da hatte ich auch nur 30 Tage Urlaub. Heute nehme ich mir 180 Tage Lebenszeit. Jedes Jahr. Dafür besitze ich fast nichts mehr. Das halte ich persönlich aber auch für eine gute Vorbereitung fürs sterben. Da kann man nämlich nichts mitnehmen. Nur die anderen haben mehr aufzuräumen.

 

Huhuuu.

 

Wie kann man nur davon schreiben? Ich kann. Ich bin mir nämlich relativ sehr sicher (schöne Formulierung, gell?), daß ich auf meinem Sterbebett nicht bereuen werde, nicht gelebt zu haben.

 

 

Vorgestern habe ich Derek Cullen kennen gelernt. Wir hatten uns ein paar Mal davor in verschiedenen Cafés gegenseitig wahrgenommen.

 

Doch erst vorgestern habe ich ihn angesprochen. Etwas, was ich sehr selten mache. Er übrigens auch. Es wurde jedenfalls ein gigantisches Gespräch und am Ende wusste ich, warum ich auf ihn zugegangen bin.

 

Wir sind uns in vielen Dingen sehr ähnlich. Und er hat mich wieder ein Stück vorwärts gebracht. Denn er hat mir etwas verraten, was ich vorher nicht wusste und woran ich im Traum nicht gedacht hatte.

 

 

Wir beiden hatten, wie Millionen andere Menschen mit uns, einen Punkt im Leben erreicht, wo wir uns sagten: "Bis hierher und nicht weiter." Wir waren Opfer gewesen oder hatten uns als solche gefühlt. Das hat oft mit dem Berufsleben zu tun. Denn wer von anderen bezahlt wird, ist abhängig. Auf Gedeih und Verderb.

 

Dann haben wir damit angefangen, unser Leben zu ändern. Für uns und nicht mehr für andere zu arbeiten.

 

"Du musst eine Lehre machen...du musst heiraten...du musst Kinder in die Welt setzen...du musst ein Haus bauen...du musst...du musst...du musst...

 

Blödsinn. Man muss nur STERBEN!

 

Und davor möglichst leben.

 

 

Heute leben wir dieses Leben mit all seinen möglichen Konsequenzen. Und ich fühle mich so etwas von unbeschwert dabei. Keinen Morgen wache ich auf und denke daran, dass mir vielleicht eines Tages das Geld ausgeht oder ich angefahren werde und sterbe. Nein, jeden Morgen freue ich mich, daß es weiter geht. Bin gespannt, was ich wohl erlebe. Was ich sehen werde. Welche Menschen ich kennen lernen werde.

 

Das ist das Leben. Und bisher hat es noch keiner überlebt. So what?

 

Ich lebe einfach. Wie Pippi Langstrumpf. So wie es mir gefällt.

 

 

Hier ist der Link zum kompletten Film in englischer Version. Der Hammer!

 

 

Heute waren es in der Summe fast 90 Kilometer und mehr fast 700 Höhenmeter. Morgen geht es gemütlich weiter nach Tha Ton. Von dort hoffe ich ein Boot nach Chiang Rai nehmen zu können. Man gönnt sich ja sonst nichts;-). Und von dort ist es nicht mehr weit zur Grenze...

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Dirk (Sonntag, 04 Dezember 2016 08:56)

    Schau dir in Chiang Rai den Wissen Tempel an

KONTAKT:

 

MTB FAHRTECHNIK SCHULE

STUTTGART / Schurwald

Rotenbergweg 1

73760 Ostfildern

 

Mobil: 0176 6612 0663

E-Mail (Kontaktformular)

 

BLOG AKTUELL: