Hat mir vorausschauendes Fahren das Leben gerettet ?

Es kurz nach 16 Uhr. Sonntag, den 14. Dezember. Vor kurzem habe ich die Staustufe überquert, die das Koshi Tappu Wildlife Ressort im Süden begrenzt. Seit einiger Zeit halte ich links und rechts Ausschau nach einem netten Platz zum zelten. Sollte ich nichts passendes finden, muss ich halt noch die 40 km bis Itahari anpacken. Dort gibt es Guesthouses.

 

Doch hier ist geeignetes Gelände zum campen genug vorhanden. Es ist nur noch zu früh. Nach und nach erst beginnen die Bauern damit, ihr Vieh langsam von links, vom Wildlife Ressort, über die Straße in die rechts davon liegenden Dörfer zu treiben.

 

Eigentlich befinde ich mich in einer sehr komfortablen Situation. Ich muß mir keine großen Gedanken machen, wo ich heute Nacht schlafen werde. Das Gelände links der Straße wird von einem fast stillstehenden Gewässer zur Straße hin abgegrenzt. Die Gegend gefällt mir. Saftige grüne Wiesen, kleinere Gebüsche, sandige Flächen. Im Geiste stelle ich mir vor, wie die Häringe ohne großen Widerstand im Boden Halt finden. Der Zeltaufbau wäre ein Kinderspiel. Alles sieht sehr rosig aus, in meinen Tagträumen. Das Koshi Tappu Wildlife Ressort ist ein Paradies für Vogelbeobachter. Zwei Camps bieten ein entsprechendes Programm dazu an. Als ich die Preise gesehen habe, man verlangt "all inclusive" mehr als 200 € die Nacht, war das Ding in der Form für mich schnell erledigt. Außerdem bin ich jetzt nicht der große Ornithologe.

 

Also umradel ich das Gelände, wissend was dort zu sehen ist. Mein Hirn ist demzufolge auf Vögel konditioniert und nicht auf das, was sich meinen aufmerksamen Augen wenige Meter vor meinem Vorderrad in äußerst lebendiger und ebenso lebensgefährlicher Form präsentiert. Der lebende Alptraum meiner lieben Ma.

 

Eine gebänderte Krait !!!

 

Nicht das ich das nette Tier in diesem Augenblick benennen könnte, aber eines erinnere ich: diese Schlange habe ich schon mal in irgendeinem Buch gesehen. Ich denke als Kind. Zu auffällig ist ihre Zeichnung. Und das erinnere ich ebenfalls: je auffälliger die Farben einer Schlange oder eines Froschs, umso giftiger.

 

Da ich vorausschauend gefahren bin, habe ich das Reptil so rechtzeitig wahrgenommen, daß ich es nicht aus Versehen überfahren habe (wie ein Lehrer in Malaysia) oder noch gefährlicher, wenige Zentimeter daran vorbeigefahren bin.

 

 

Kraits (Bungarus) sind eine im tropischen Südostasien weit verbreitete Gattung der Schlangen aus der Familie der Giftnattern (Elapidae). Die Arten haben ein extrem wirksames, neurotoxisches Gift und eine Reihe von Arten ist auch im menschlichen Siedlungsbereich häufig. Die weiter verbreiteten Arten zählen daher zu den medizinisch relevantesten Giftschlangen Asiens und verursachen jährlich zahlreiche Todesfälle.

 

 

Wie so oft, wenn ich mich in Gefahr wähne, werde ich ganz ruhig und überlegt. Ich bremse vorsichtig, vermeide hektische Bewegungen und entscheide dann in Bruchteilen von Sekunden, daß ich absteigen werde, denn ein Foto hätte ich schon gerne. Langsam rutsche ich vom Sattel und setze ein Fuß nach dem anderen auf die Straße. Die Krait liegt geschätzte 3 bis 4 Meter vor mir auf dem Seitenstreifen der Straße. Genau mein Terrain, wenn ich mit dem Reiserad unterwegs bin. Ein paar Nepalis haben die Schlange ebenfalls entdeckt. Einer zeigt grinsend und fragend auf den Baum über mir. Nette Vorstellung, daß einem so ein Schuppentier auf den Kopf oder noch besser in den Kragen fällt...

 

Langsam und vorsichtig hole ich meine Kamera aus der Gürteltasche. Warum bin ich mir immer noch nicht sicher, ob die Entfernung ausreichend ist, damit mir nichts passieren kann? Meine Intuition gibt mir immer noch Signale in Richtung Gefahr...

 

 

"Lasst mich ster ...", schreibt Joe Slowinsky auf einen Zettel

 

Wie viel Zeit bleibt einem Menschen ohne Gegengift? "Verdammt, eine Krait", schreit Joe Slowinsky, als er in den Beutel greift. Sein Assistent hat sich geirrt: Die eingefangene Schlange ist keine ungefährliche Dinodon, der Forscher wurde soeben von einer hochgiftigen Gebänderten Krait gebissen. Und das mitten im Dschungel von Myanmar, weit weg vom nächsten Krankenhaus. Der Feldbiologe verfällt dennoch nicht in Panik. Es ist sieben Uhr am Morgen, der 38-Jährige setzt auf den Faktor Zeit. In 48 Stunden würde sein Körper das Neurotoxin ausgeschieden haben, so seine Berechnung. Eine halbe Stunde später beginnt seine Hand zu kribbeln, Slowinsky weiß: Er darf nicht in Ohnmacht fallen, muss seine Atmung aufrechterhalten. Doch die lähmende Wirkung des Gifts breitet sich unaufhaltsam in seinem Körper aus. Am Vormittag werden seine Augenlider schwer, er kann sich nicht mehr auf den Beinen halten. Der Forscher informiert sein Expeditionsteam. "Sollte ich mich übergeben, wird es ernst", sagt er. Am Nachmittag setzt seine Atmung aus, und das Team muss ihn von nun an Mund zu Mund beatmen. "Blast kräftiger", schreibt er auf ein Blatt Papier; ein paar Minuten später: "Lasst mich ster ..." Um drei Uhr morgens kann er nur noch mithilfe seines großen Zehs kommunizieren. Um 12.25 Uhr am nächsten Vormittag hört sein Herz auf zu schlagen. Innerhalb von 29 Stunden hat das Gift der bleistiftdünnen Krait seinen gesamten Körper funktionsunfähig gemacht. Slowinskys 48-Stunden-Regel hat nicht funktioniert.

 

 

Vorsichtig schaue ich durch den Sucher. Da bewegt sich die Krait plötzlich! Sofort schaue ich am Sucher vorbei und nutze die Wirklichkeit. Die Krait hält inne. Hat sich jetzt umorientiert. Weg von der Straße Richtung Wasser.

 

Wieder schaue ich durch den Sucher. Zoome kurz zwei-, dreimal näher ran und drücke den Auslöser. Danke. Das reicht mir. Immer noch habe ich einen Höllenrespekt, steige vorsichtig aufs Rad und umradel die Krait mit großem Abstand. Ein Foto muß reichen. Mehr ist mir die Sache nicht wert.

 

Als ich am Abend im Hotel-Internet recherchiere, bestätigt sich mein Verdacht. Das war lebensgefährlich.

 

 

Das rechtzeitige erkennen von Gefahr, durch vorausschauendes fahren, kann Dir beim biken das Leben retten.

 

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