Von Pokhara nach Beni - auf nach Mustang ! (Tag 1)

Anfangs tue ich mich noch etwas schwer mit meinem Orientierungssinn. Doch mit einmal Nachfragen finde ich dann doch raus aus Pokhara (800m), an diesem herrlichen Tag, dem 9. Oktober 2015.

Mit Blick auf das Annapurna Massiv radel ich frohen Mutes Richtung Kande (1.800m). Die Strecke kenne ich noch, da ich sie bereits vor sieben Jahren mit zwei Freunden gefahren bin.


Zunächst geht es gemächlich ansteigend durch ein langgezogenes Tal. Viele Häuser sind in den Jahren neu dazugekommen. Selbst mehrere Guesthouses finden sich nun am Talende.



Der folgende Anstieg ist wirklich leicht zu bewältigen, da er auf Asphalt stattfindet und aus langgezogenen Steigungen und Serpentinen besteht.


Kurz nach dem höchsten Punkt kehre ich wie vor sieben Jahren ein. Die alte Frau, die uns damals den typisch nepalesischen Milchtee gekocht und serviert hatte, lebt wohl nicht mehr. Doch rechts neben ihrer kargen Hütte steht ein neues Restaurant. Ich bestelle Dal Baht und frage nicht nach dem Preis. Das sollte man in Nepal jedoch nicht tun, denn wenn man bestellt und gegessen hat, werden meist Fantasiepreise ausgerufen, da es in diesen Garküchen oft keine Speisekarten gibt.


Enstprechend hoch fällt die Rechnung am Ende aus. Lesson learnt.


Anschließend folgt eine nahezu endlose Abfahrt in wärmere Gefilde. Immer wieder genieße ich bei einem kurzen Fotostop die gigantischen Aussichten und die wunderbare Landschaft.

 

Es macht einfach Spaß an diesem Tag und als ich in Baglung ankomme und auf die Uhr schaue, entscheide ich mich auch noch das letzte Teilstück nach Beni in Angriff zu nehmen. Wird zwar knapp, denke ich, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt...


Es geht rauf und runter. Es beginnt langsam zu dämmern. Und dann passiert es. Bei einem Schaltvorgang greift das Rohloff-Getriebe nicht mehr. Bitte nicht jetzt, denke ich. Halte an. Nehme die Packtaschen ab und drehe das Reiserad auf den Kopf. Mein Verdacht bestätigt sich. Das kleine Befestigungsrad der Schaltbox hat sich gelöst. Gott sei Dank nichts, was man nicht sofort beheben kann.

 

 

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreiche ich Beni. Keine Ahnung wie diese Stadt funktioniert und wo die Hotels sind. Also anhalten und fragen. Gestik und Mimik sind gefragt. Ein paar Jungs wissen Bescheid. Die Straße runter bedeuten sie mir. Sicher ist sicher, denken die Kurzen und bringe mich direkt ins nächste Guesthouse. Für umgerechnet 3,48 € gehört mir das Zimmer für eine Nacht.

 

Der Junge des Hauses hilft mir dabei meine Packtaschen aufs Zimmer zu bringen. Auf dem Weg dorthin wundere ich mich über die Vorhänge an den Zimmertüren. Alles ziemlich kitschig und rot. Genauso wie der Teppich in meinem Zimmer. Das WC sieht aus wie nach dem Krieg. Ich reklamiere. Danach sieht es etwas besser aus. Putzen hilft.

 

Mein "Stahlross" bekommt einen Ehrenplatz direkt an meinem Esstisch. So liebe ich das. Gerade will ich bestellen, als der Strom ausfällt. Man bringt mir eine Kerze. Romantisch. Denkt auch eine junge und angetrunkene Nepalesin und leistet mir beim Essen lallend Gesellschaft. Das Gespräch läuft nach dem üblichen Schema: bist Du verheiratet? Hast Du Kinder?

 

Nein. Nein. Nein. Ich bin`s! Der lonely Wolf. Schon mal nen lonely Wolf mit Frau und Kindern gesehen? Nee? Na, also...

 

Ob ich ihr einen Drink ausgebe, lautet danach die mehrfach gestellte Frage. Warum das denn? Ich bin doch hier der Knaller und sollte einen ausgegeben bekommen. Verkehrte Welt.

 

Während des Essens kommen zwei weitere Fregatten ins Lokal gerauscht. Aufgetakelt wie die Queen Mary 2. Meine Traumfrau geleitet sie sicher in den ersten Stock. Was die da wohl tun?

 

Nach dem Dinner gehe ich in die Heia. Der Tag war lang. Die Strecke auch. 88 km stehen am Ende auf dem Tacho. Kein Wunder, daß ich mich schnell ins Land der Träume verabschiede. Und in irgendeinem dieser Träume höre ich dann Rufe. Die Rufe werden lauter. Die Rufe werden so laut, daß ich aufwache.

 

Nein, ich träume nicht. Jemand steht vor meiner Tür und ruft. Lauschend versuche ich zu verstehen. "order me!"...ist das so richtig? "order me!!"...

 

Jedenfalls wird da irgendetwas von mir gefordert, das in meiner Befürfnispyramide zu diesem Zeitpunkt nicht existiert.


 

Also verhallte ich mich ruhig und warte bis meine Freundin von ihrer Schwester abgeholt wird. Müde wie ich bin, finde ich schnell zurück in die wirkliche Traumwelt.

 

Einige Zeit später geht das ganze Theater noch einmal von vorne los. Wieder stelle ich mich bewußtlos.

 

Der nächste Morgen bricht an und ich meine Zelte ab.

Eine Frage bleibt am Ende offen: hätte ich das Zimmer auch stundenweise mieten können und wenn ja, wäre es dann billiger oder preiswerter gewesen?

 

Fragen über Fragen und keine Antworten...

 

Doch zurück zu meinem wirklichen Bedürfnis. Ich will in diese entlegene Gegend, nahe der tibetischen Grenze, names Mustang.

 

Es wird also ernst. Die vor mir liegende Teilstrecke soll kein Zuckerschlecken sein...

 

Der Tag in Zahlen:


ca. 1.200 Höhenmeter


88 km

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Kommentare: 2
  • #1

    Jürgen (Samstag, 31 Oktober 2015 13:03)

    Hahaha...Tränen lach...Maslow wird sich nicht nur im Grabe umdrehen, sondern sich totlachen...das schafft wirklich nur Einer....Neee

  • #2

    Mr. Bean (Dienstag, 03 November 2015 06:30)

    @Jürgen: kennst mich doch, oder ;-) ?

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