Rückblick - 11. März 2015 - ich darf nicht ausreisen

Am 11. März 2015 wurde beim check-in am Flughafen in Bangkok festgestellt, daß ich keinen Einreisestempel in meinem Pass hatte. Mitte Januar war ich von Myanmar nach Thailand per Boot eingereist. Bei der Ankunft in Ranong (Thailand) hatten uns die burmesischen Bootsführer suggeriert, sie hätten unsere Pässe stempeln lassen. Doch dem war nicht so.

 

Im Nachhinein betrachtet, wundere ich mich noch heute, daß ich nicht sofort am Flughafen verhaftet wurde. Anfangs dachte ich noch, die Mitarbeiter der Fluggesellschaft von meiner unglücklichen Geschichte überzeugen zu können. Doch dann wurde mir schnell klar: Ich werde nicht in diesen Flieger steigen. Auf meine Frage hin, was ich tun solle, bekam ich die Antwort: "fahr wieder nach Ranong und versuche Dir den Einreisestempel nachträglich zu holen".

 

Nochmal 600 km gen Süden? Und das als Illegaler? Unvorstellbar. Fieberhaft überlege ich was zu tun ist. Verlange einen Verantwortlichen der Immigrationbehörde zu sprechen. Der Angestellte der Fluggesellschaft nimmt meinen Pass und verschwindet durch eine Glastüre. Nach 10 Minuten fange ich an aufzuwachen. Was, wenn der jetzt auch nicht zurück kommt? Wo ist der hin? Die Glastüre öffnet sich wieder. Dahinter sehe ich weitere Türen und Rolltreppen. Der kann mit meinem Pass überall hin sein! Und ich weiß nicht mal seinen Namen!

Das ist der Moment, in dem ich überlege, meinen Pass verloren zu melden. Dann habe ich das Problem mit dem Einreisestempel von der Backe. Denke ich.

 

Die Glastüre öffnet sich und der Typ mit meinem Pass taucht wieder auf. Er kann nichts für mich tun.

 

Okay. Cool down. Ich hole mir ein Taxi. Fahre zu meinem Hostel. Erzähle meine Geschichte. Das Hostel ist ausgebucht. Dille. Mein Kumpel. Wir haben ein einziges Jahr zusammen die Schulbank gedrückt. 10te Klasse Gymnasium. Wir waren us sofort sympathisch. Danach haben wir uns aus den Augen verloren. Und uns wieder getroffen. Fast 30 Jahre später. An der Ortstankstelle. Er hatte meine Reise zum Mount Everest Basislager verfolgt. Eine Woche vor meinem Abflug im November 2014 dann das erneute Wiedersehen und sein Angebot bei ihm in seinem Appartement in Bangkok zu schlafen.

 

Ich hatte das letztendlich nicht in Anspruch genommen. Als mir dann in Thailand meine ganze Ausrüstung geklaut wurde, schreibe ich ihm eine Mail und bitte ihn mir Klamotten mitzubringen. Er ist regelmässig geschäftlich in Bangkok.

 

Als ich am 9. März in Bangkok ankomme, treffe ich ihn und nehme meine Klamotten in Empfang. Wir feiern das Wiedersehen.


Nun benötige ich ihn erneut. Ein Anruf und ich kann bei ihm schlafen. Der Weg dorthin: eine Stunde Fahrt bei Nacht durch die Häuserschluchten.


Ich öffne meinen Fahrradkarton und baue meine Reiserad wieder zusammen. Vergeblich habe ich eine Stunde lang versucht ein Taxi zu bekommen. Den Fahrradkarton kann ich nach zähen Verhandlungen dann doch noch im Hostel deponieren. Nur mit einer Stirnlampe bewaffnet, stürze ich mich in den nächtlichen Verkehr Bangkoks. Vorbei an der Botschaft von Myanmar, wo ich mein Visum nach meiner Ankunft im Dezember erhalten hatte. Vorbei an dem Lokal, wo ich das vermeintlich erfolgreiche Ende meiner Reise gefeiert hatte. Jetzt darf nichts passieren. Alles geht gut. Obwohl ich ohne Rücklicht auf mehrspurigen Straßen unterwegs bin. Feierabendverkehr.


Angekommen, beziehe ich das Gästezimmer hoch oben über den Dächern von Thailands Hauptstadt. Danach sitzen wir auf dem Balkon, trinken ein paar Singhas und sprechen über den nächsten Tag. Der Tag, an dem ich mich den Behörden stellen werde.


Wir reden über meine Idee, meinen Pass verloren zu melden. Dille rät mir ab. Ich stimme zu. Ich hätte kein gutes Gefühl dabei. Und ich kann schlecht lügen.


Ehrlich sein. Alles scheint klar. Und wir sind uns einig. Das kann kein großes Ding sein. Wir sollten uns irren.


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