Mit dem Bike Richtung Eiger Nordwand

Als ich vor Jahren Heinrich Harrer`s "Die weiße Spinne" gelesen hatte, prägte ich mir einen Namen besonders ein. Die kleine Scheidegg. Von dort hatten all die Bergsteiger versucht den Eiger zu besteigen. Doch er galt als unbezwingbar. 1936 die große Tragödie. Toni Kurz und Andreas Hinterstoißer sterben im Seil. Zwei Jahre später gelingt Heinrich Harrer (7 Jahre in Tibet) und drei Kameraden die Erstbesteigung.

Morgens gegen 6 Uhr starte ich mit meinem Käfer von Stuttgart. Gut sechs Stunden später erreiche ich nach einer herrlichen Cabriofahrt Grindelwald. Schon von weitem sehe ich den Eiger. Absolut beeindruckend. Beeindruckend sind auch die Preise in Grindelwald. Die Touristeninfo startet für mich eine Suche nach dem preiswertesten Zimmer. Ergebnis: 200 SFr für 2 Nächte. Ohne mich. Also erst mal orientieren. Hoch Richtung große Scheidegg. 2 SFr Parkgebühr. Das Weißbier nochmal 6.50 SFr. Meine Frage nach dem WLAN wird verneint. In der Speisekarte dann die Wahrheit. Nur für Hotelgäste. Alles wird zu Geld gemacht. In Südostasien gibt´s das in jedem kleinen Restaurant gratis.


Am Ende des Tages finde ich einen wunderschönen Campingplatz am Fuße des Eiger. Für 15 € incl. WLAN. Geschlafen wird auf der Isomatte neben meinem VW. Das Zelt habe ich ja in Thailand verschenkt ;-)


Am nächsten Morgen kurz nach 8 Uhr starte ich mit dem Bergfahrrad Richtung "kleine Scheidegg".

 

Insgesamt gut 1.200 Hm am Stück. Gutes Training für die Alpenüberquerung. Zunächst auf Teerstraßen und später auf Wirtschaftwegen, stets mit moderater Steigung unter 10%, mache ich in der ersten Stunde gut 400 Hm. Dabei taucht links bzw. vor mir immer wieder der Eiger zwischen den Bäumen auf. Majestätischer Anblick.

 

Am Ziel angekommen folgt die Ernüchterung.

 

Die Fahrt hoch zum Jungfraujoch kostet selbst hier auf 2.000 m noch 124 € für die letzten 1.200 Hm. Selbst der Halt in der Eiger Nordwand und der Blick in diesselbige können mich nicht mehr überzeugen. Der Preisschock sitzt zu tief. Wie lange kann ich in Deutschland mit der Bahn für den Betrag fahren? Scharen von Japanern und Indern sehen das wohl anders. Die haben aber auch nur ein paar Tage im Jahr frei. Komische Welt. Je weniger Zeit wir haben, umso mehr Geld sind wir bereit in diesem Zeitraum auszugeben. Bei mir ist das jetzt umgekehrt.

Auch in der Fahrtrichtung. Es geht wieder talwärts. Nach 500 Hm Abfahrt setze ich mich in den Garten des "Alpiglen" und schaue hoch in die Nordwand. Das Schauspiel beginnt. Die Sonneneinstrahlung zeigt Wirkung. Plötzlich tosen Wasserfälle, gehen Lawinen ab. Unfassbar. Fast zwei Stunden lang genieße ich die Vorführung.

 

Der Rest ist Abfahrtsspaß pur nach Grindelwald.

 

Zum Abendessen koche ich mir Spaghetti mit Knoblauch und Chillies. Lecker! Dazu einen schönen italienischen Merlot. Gegen 22 Uhr krieche ich in den Schlafsack neben meinem Käfer. Über mir leuchten die Sterne. Als ich nachts kurz aufwache, leuchtet der Mond gerade in die Nordwand. Das Leben sollte gelebt werden. Ich bin dabei es umzusetzen.

My way...

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Kilian (Sonntag, 05 Juli 2015 10:11)

    Das Leben will genossen werden. Weiter so.

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