Wie ich ins IDC-Gefängnis kam

Während meiner gut viermonatigen Radreise in Thailand und Myanmar habe ich immer wieder von meiner Intuition geschrieben. Wenn ich zurückblicke, ist mir natürlich ein Tag ganz besonders im Gedächtnis geblieben. Der Tag, an dem ich das einzige Mal echt Angst hatte, ich könnte ihn nicht überleben. Genau dieser Tag war es, an dem die Ursachen dafür gesetzt wurden, daß ich letztendlich 14 Tage im Gefängnis des IDC (Immigration Detention Center) in Bangkok unter inhumanitären Zuständen verbringen "durfte". Nun, mehr als zwei Wochen nach meiner Rückkehr, fasse ich die Ereignisse für Euch in lockerer Reihenfolge zusammen.

 

Das Leben in unserer westlichen Welt hat mich wieder und ich ertappe mich bei dem Gedanken "lieber da draußen, als hier in diesem Irrenhaus..."

 

Doch zurück zum 14. Januar 2015. Hier, im Hafen von Kawthaung (Myanmar) habe ich an damals die Entscheidung getroffen, mich in das erstbeste Fährboot nach Thailand zu setzen. Im Nachhinein betrachtet, hätte ich alle Überfahrtangebote zunächst ausschlagen sollen. Entscheidungen, bei denen man sich überrumpelt vorkommt, sind keine guten Entscheidungen. Sich der Situation zu entziehen, die Entscheidung zu vertagen und die Lage zu sondieren, das wäre unzweifelhaft die bessere Lösung gewesen.

 

Was folgte, waren Ereignisse, die mich im Nachhinein betrachtet, mein Leben hätten kosten können. Ironie des Schicksals: im IDC Gefängnis habe ich Vasu, einen Burmesen kennen gelernt. Wir haben unsere Geschichten ausgetauscht. Als er hörte, daß ich auf diese Weise über den Fluß von Myanmar nach Thailand gekommen bin, sagte er mir, daß auf genau dieser Passage jedes Jahr zig Menschen bei der Überfahrt ertrinken.

 

In meinem Blog "Seelenverkäufer und Schmuggler" habe ich damals geschrieben:

 

An der thailändischen Immigration geht das Fiasko weiter. Wir legen an, aber sechs Boote, die nach uns anlegen, sind ratzfatz auch wieder weg. Nur wir nicht. Oh Mann, wie fühle ich mich ohnmächtig. Om. Om. Geduld. Geduld. Langsam komme ich runter. Sage mir: "irgendwann werden wir ankommen und dann ist Alles in 2 Minuten vergessen"...

 

Was ich damals nicht geschrieben habe, versuche ich hier gedanklich zu rekonstruieren:

 

Nachdem wir angelegt hatten, hatte der Anführer der Fährleute unsere Pässe eingesammelt und war vor unseren Augen den Steg hoch zur Immigration Baracke gelaufen. Dort sahen wir ihn die ganze Zeit, vermeintlich mit einem Thai in der Baracke sprechen. Ob das tatsächlich so war, weiß ich nicht. Der Mensch sieht, was er sehen will.

 

Nach einer gefühlten Ewigkeit kam er wieder zu uns runter gelaufen und wirkte etwas ratlos. Kurz darauf lief er wieder hoch zur Immigration. Wieder vergingen endlose Minuten. Eine gefühlte Ewigkeit später überreichte er uns unsere Pässe und wir fuhren die letzten paar hundert Meter in den thailändischen Hafen von Ranong.

 

Heute weiß ich, daß mein Pass von der Immigration nicht gestempelt wurde.

Die wahren Gründe werde ich nie erfahren. Ob der Burmese wegen der ganzen Auseinandersetzungen an Bord auf uns sauer war, sein "Gesicht verloren" hatte und er sich an uns rächen wollte oder was da sonst an der Immigration passiert war.

 

Jedenfalls war ich damit faktisch nie nach Thailand eingereist.

 

Die folgenden acht Wochen radelte ich damit unwissentlich illegal durch Thailand.

Erst als ich am 11. März nach Deutschland zurückfliegen wollte, wurde beim Checkin am Flughafen in Bangkok festgestellt, daß mein Einreisestempel fehlte. Final Destination.

 

Overstay. In Thailand kein Kavaliersdelikt mehr...

 

 

 

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