"Give in Life more than you take"

Der heutige Blog-Titel gibt den Satz von Dr. Joseph Murphy aus dem Buchklassiker "Die Macht Ihres Unterbewußtseins" wieder".

 

So steht es auf der Visitenkarte, die mir Tom Moessle in die Hand drückt, als ich Sonntag vormittag noch einmal kurz vor seinem Restaurant "Bavaria House" in Khao Lak anhalte, um mich vorerst zu verabschieden. Phuket heißt mein nächsten Ziel. Doch ob ich die Brücke auf die Halbinsel wirklich überqueren werde, will ich erst vor Ort, vom Verkehr abhängig, entscheiden. Bisher habe ich diesbezüglich wenig Gutes gehört.

Zwei Tage vorher, am Freitag abend, hatte ich Tom bei den Asian Nomads kennengelernt. Als Founder von ride-4-kids kümmert er sich um das sammeln und verteilen von Sachspenden und Lebensmitteln für bedürftige Kinder und Einrichtungen in Khao Lak. Zum Beispiel für Flüchtlingskinder aus Myanmar. Nachdem ich mir das Projekt heute genauer angeschaut habe, wird meine MTB-Schule Schurwald  ride-4-kids und seine Organisation ab sofort finanziell unterstützen. Vor mehr als 10 Tagen war der Wunsch in mir entstanden, hilfsbedürftigen Kinder in der Region zu helfen. Lange hatte ich mit Pim darüber gesprochen. Nun nutze ich die Gelegenheit.

 

Ebenfalls am Freitag abend, hatte ich mich mit Friedel, einem Asian Nomad, der ursprünglich aus Düsseldorf kommt, zum Fischessen für Samstag abend verabredet. Im Restaurant angekommen, gesellt sich noch ein Freund von ihm aus Bayern mit seiner Freundin dazu. Wir verstehen uns sofort richtig gut, der arme Kerl ist etwas älter und größer wie ich. Eigentlich ein richtiges Kraftpaket, ist er derzeit fast gehunfähig. Die Ärzte haben ihm in den letzten Jahren drei neue Kniegelenke eingestzt und dabei richtig gepfuscht. Seine Schmerzmittel sind leer und so ist er auf dem Sprung nach Deutschland zur nächsten OP. Alles Gute kann man da nur wünschen. Das zeigt mir einmal mehr, wie gut es mir eigentlich geht.

 

Danach schaue ich bei Tom nochmal vorbei und verfolge die Bundesliga-Konferenzschaltung auf der Großleinwand. Friedel will später auch vorbeischauen.

 

Egal wo ich mich auf der Welt befinde, der Fussball lässt mich immer wieder nette Menschen kennen lernen. Diesmal sind es zwei ältere Stuttgarter aus Zuffenhausen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. So könnte man das Motto in unserer schwäbischen Ecke nennen. Und tatsächlich. In der 93. Minute erleben wir das befürchtete, späte Siegtor für das Dorf Hoffenheim. Es ist einfach unfassbar.

 

2. Liga SIE kommen. Wenn unsere Söldner nicht vorher flüchten, was stark anzunehmen und zu hoffen ist.

 

Sonntag morgen, bevor ich mich von Tom verabschiede, lasse ich mir mit offener Hose einen abgerissenen Knopf bei einem Herrenschneider am Bund annähen. Kostenpunkt 0€. Dabei lerne ich noch einen neuen Nähtrick. Daß ich nähen kann, hat mir auf Kho Phayam schon geholfen, als die Klettverschlüsse meiner Sandalen aus der Naht gingen. Hat durchaus was meditatives...


Beim nächsten Trip darf ich aber mein eigenes Nähset nicht vergessen. Selbst ist der Mann.

Zum Dank verspreche ich den Beiden, sie in meinem Tagebuch zu erwähnen. Was ich hiermit tue. Damit sie sich das anschauen können, bekommen Sie meine Visitenkarte, die ich in Rangoon zu diesem Zwecke für wenig Khwat habe anfertigen lassen. Der Schneider, der bisher recht teilnahmslos mit seinem Smartphone beschäftigt war, erwacht plötzlich zu Leben. Er kommt aus Myanmar. Kurz umreisse ich Stationen meiner Reise und finde sofort begeisterte bis ungläbige Zuhörer. Mit den besten Wünschen für meinen weiteren Weg verlasse ich das Geschäft.


Doch der Tag der Begegnungen hat gerade mal erst angefangen. Kaum bin ich ein paar Meter auf der Hauptstraße Richtung Lam Kaen ruft und winkt mir der "verrückte" Thai-Japaner auf seinem Gary Fisher Mountainbike. Er ist schon wieder auf dem Weg in den Bikeshop, an dem ich gerade vorbeigeradelt bin. Da ich noch "buntes Papier" aus dem Bankomat ziehen muss und mir Tsunami-Fotos im Fotogeschäft daneben ansehen will, verspreche ich ihm, auf ihn zu warten. Die Fotos gibt´s nur auf CD. Ich lasse mir ein paar am Bildschirm zeigen und kaufe die CD für 5 €.


Später stelle ich fest, daß ich ja gar kein CD-Laufwerk dabei habe. Dann sichten wir das Material eben zuhause. Im SevenEleven erstehe ich gerade eine Flasche Wasser, als mein Samurai auftaucht. Gemütlich im Schatten vor dem Supermarkt auf dem Boden sitzend, laben wir uns am eiskalten Wasser und tauschen unsere weiteren Reisepläne aus. Drei, vier Kilometer, bis zu seinem Nature Resort, begleitet er mich noch, dann fahre ich wieder alleine weiter.


Bereits nach der nächsten Abfahrt entdecke ich eine wunderschöne Bucht und inspiziere sie genauer. Das wird einer meiner Zeltplätze auf meinem Rückweg vom Süden herauf. Kaum Touristen am Strand und etwas im Hinterland, gut zugänglich mit dem Fahrrad und den Packtaschen, befinden sich ein paar ebenerdige Camp-Möglichkeiten. Das sollte passen...

In Thung Maphrao biege ich rechts Richtung Pier ab und radle fast 3 km an einem Marine-Stützpunkt entlang.


Am Pier angekommen, sehe ich ein weiteres Tsunami-Wrack liegen. Was für Wasserkräfte da am arbeiten gewesen waren. Für mich nach wie vor ein Faszinosum. Anschließend macht es mir richtig Spaß in der Mittagshitze durch die kleinsten Winkel und Gäßchen des Fischerdorfes zu radeln, das vorwiegend von Muslimen bewohnt wird. Immer wieder werde ich vom kichern der Frauen oder Ausrufen des Staunens begleitet.


So geht es gemütlich weiter bis Thai Mueang. Das letzte Stück rolle ich die breite Straße runter, als mir zwei Gestalten linke im Schatten sitzend auffallen. Neugierig beäugen sie mich und als ich fast vorbei bin, zeigt der rechte von Beiden mit der Hand auf den gedachten Platz neben ihm. Zuerst zögere ich, aber als er weiter mit der Hand neben sich zeigt und mein Gefühl grünes Licht gibt, setze ich mich zu Ihnen und wir plaudern ein wenig. Mit Händen und Füßen. Von einer Schießerei auf Samui wird mir noch berichtet, bevor ich mich wieder auf den Sattel schwinge und von den Taxifahrern verabschiede.

 

Das letzte Wiedersehen erlebe ich, als ich mich gerade Richtung Strand orientiere, um eine Bleibe für die Nacht zu finden. Irgendjemand ruft mir aus einem abgedunkelten Auto zu. Doch als ich mich mit dem Fahrrad in die Richtung des Fahrzeugs bewege, verschwindet das Auto gerade um die Kurve. War das eine Thai? Vielleicht die Frau von Friedel aus D´dorf? Nichts wie hinterher, denke ich, vielleicht halten sie noch einmal und ich finde heraus, wer das war. Das dritte Fahrzeug von meiner Sicht aus vor mir, verlangsamt das Tempo und dann fährt es links ran. Spannung wird von Überraschung abgelöst.

 

Es sind Derek und Su aus Cannstatt. Die Beiden, die ich am Tage meines Geburtstags kennen gelernt hatte. Ziemlich erschöpft schauen Sie mich an und berichten von ihrem kräftezehrenden und teuren Phuketbesuch.

 

Am Ende des Tages finde ich eine 500 Baht Unterkunft. Die Restaurants an der Strandstraße sind gut von thailändischen Familien besucht. Als ich etwas später Essen gehe, finde ich dennoch einen schönen, ruhigen Tisch, etwas am Rande des Freiluftrestaurants. Papayasalat und rotes Curry runden den Tag ab.

 

Zurück im Bungalow werde ich im Bad von kleinen, schwarzen Kotwürstchen begrüßt. Ratten? Mäuse? Geckos? Der Deckel vom Abfluß liegt neben demselben. Nach dem Zähne putzen, hieve ich die schwergängige Badezimmertür ins Schloß. Werde ich heute Nacht Besuch bekommen?

 

Alleine verbringe ich die Nacht...

 

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