Khao Lak

Mit etwas Abstand habe ich gestern angefangen diesen Blog-Artikel zu schreiben. Denn diese zeitliche Distanz habe ich gebraucht. Allerdings habe ich ihn nicht fertig gestellt. Das versuche ich nun.

 

Letzten Freitag bin ich bei Pim`s Café angekommen. Pim ist meine Gastgeberin, denn Vermieterin würde es nicht treffen. Mein Weg hat mich hierher geführt. Hier bin ich zuhause. Das entspricht mir. Wenn Ihr auf den Link oben klickt und die Kommentare durchlest, wisst Ihr warum. Pim strahlt so eine Wärme und Liebe aus, einfach unglaublich. Seit ich hier bin, sitze ich jeden morgen mit ihr zusammen, frühstücke und lausche ihren buddhistischen Sichtweisen. 

 

"You know, Pim is here and the people who come have to have fun. That is very speeeeecial." sagt sie nicht nur einmal am Tag. Sie kümmert sich. "Are there mosquitos?". Daraufhin geht sie ein paar Schritte aus Ihrer Bar, pflückt Lemongras und verteilt es an ihre Gäste.

 

Sie hat mir sehr viel über den Tsunami erzählt. Aber erst nach drei Tagen. Seitdem hält mich etwas hier fest. Ich kann es gar nicht beschreiben. Wenn ich nach ein, zwei Stunden, in denen ich ihr gelauscht habe, Richtung Strand fahre, merke ich es wieder. Jeden Tag. Es ist ein Teil von Khao Lak geworden. Man hört kaum Tiere. Pim spricht aus, was ich im "'Tibetischen Totenbuch" gelesen habe.

 

Dort wird beschrieben, daß es sehr wichtig ist, einen friedvollen Geist zu haben, im Moment des Sterbens. Das war in Khao Lak bei sehr vielen Menschen im Moment der "Katastrophe" nicht der Fall. Es ist eine unbeschreibliche Stimmung. Wenn man sie wahrnimmt. Ich meine es zu spüren und das kostet unglaublich Kraft.

 

Immer wieder überwältigen mich meine Gefühle. Rein intuitiv hatte ich mir den Sonntag für die Fahrt Richtung "Rue Tor 813" rausgesucht. Von meiner Fahrt am Golf von Thailand entlang, erinnerte ich mich, daß die Straßen sehr ruhig waren.
Und so ist es auch hier, als ich gegen 12 Uhr losfahre. Nach gut 45 Minuten bin ich überraschenderweise schon da. Sofort wird mir klar, warum die Flutwelle gerade hier so eine verheerende Wirkung hatte. Man fährt wie in eine Pfanne.

 

Heute ist alles neu. Eine Bar an der anderen. Mittendrin das Mahnmal, das ihr oben auf dem Foto seht. Links radel ich rein. Sehe sofort das gestrandete Polizeischiff. Rechts davon befindet sich eine begehbare Bogenhalle, in der schlafende Hunde liegen. Mehr ist nicht, aber mich überwältigt es trotzdem.

Es ist unfassbar traurig.

 

Die Goldspitze zeigt vermutlich, wie hoch das Wasser damals hier war.

 

Ein älteres Ehepaar kommt auf das Gelände und verlässt es nach kurzer Zeit wieder. Als ich aus dem Gelände rausfahre, spreche ich Sie an. Sie sitzen in der Nähe in einem Café. "Do you know where the Tsunami Museum is?". Es sind Deutsche. 100m weiter finde ich, was ich gesucht habe. Zahle 200 Baht Eintritt. Videos, Schautafeln, Bilder. Déja vu. Bilder kommen wieder hoch. 26. Dezember 2004. Zweiter Weihnachtsfeiertag. Ich allein zuhause. Schalte den Fernseher an. Sehe und höre das Apokalyptische. 

 

Im zweiten Stock laufen Videos. Auf deutsch. ZDF. Wie betäubt schaue ich mir eine unbestimmte Zeit die Aufzeichnung an. Denke, das habe ich schon mal gesehen. Irgendwann wird mir klar, das kann ich auch zuhause anschauen. Deswegen bin ich nicht hier. Beim rausgehen spende ich 1.000 Baht. Wollte ich damals schon machen. Vor 10 Jahren!

 

Wieviel Leid?

Wieviel Waisen?

Wieviel Obdachlose?

Wieviele Menschen haben alles verloren?

Wurden ausgelöscht?

 

Es ist nicht einfach, diese Fragen und die damit verbundenen Gefühle in Gedanken zu fassen. Jedenfalls nicht für mich. Immer wieder laufen mir die Tränen übers Gesicht.

 

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Pim erzählt mir, daß direkt neben dem Eingang zum heutigen Memorial ein Thai eine Bar hatte und jetzt wieder betreibt. Als das Wasser kam, wurde er von fünf Touristen überrannt. Im Liegen klammerte er sich an einen Baum und sah im nächsten Moment wie alle fünf Touristen von den Fluten mitgerissen wurden und starben. Er überlebte...

 

Sie erzählt es ohne irgendeinen Unterton. Ohne Wertung.

 

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Ich gehe in ein Restaurant um mich irgendwie abzulenken. Thailändisch-bayrisch. Mir wird kurzzeitig geholfen. Seit meine Ma im Chiemgau lebt, bin ich ja nah dran, an diesem manchmal recht seltsamen Menschenschlag.

 

Im nächsten Leben werde ich Psychotherapeut in Bayern.

Und damit reich.

 

- Der Gardasee ist der "südlichste See Münchens"

- "Dolce Vita" haben die Italiener von den Bayern geklaut.

- Die Alpen sind die "Münchner Hausberge".

- Der FC Bayern ist der erfolgreichste Verein der Welt.


Doch das ist noch nicht alles.


Sie haben auch das stärkste Bier.

Sie haben die Brezn erfunden.

Und jetzt auch noch die "Spätzle".


 

Woher kommt dieser ständige Drang,  sich selbst zu erhöhen?

 

Was ist im Schatten der Alpen schief gelaufen?


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Doch es dauert nicht lange und die tragischen Ereignisse holen mich wieder ein. Nach meinen ersten zwei Weißbier nach 8 Wochen, entschließe ich mich zurück zu meiner Unterkunft zu radeln. Es dauert lange, bis mein Geist einigermaßen wieder ruhig wird...

 

Und ich weiß, ich bin hier noch nicht fertig...

 

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