Auf der Flucht

Nach einem Ruhetag mit der fantastischen Bootsfahrt auf dem Chiao-Lan-See ging es vorgestern zunächst 60 km durch den Khao-Sok-Nationalpark. Die Strecke war herrlich, aber irgendwie war ich nicht so richtig in Stimmung. So was kommt einfach auch mal vor. Ich merke das dann ganz einfach am Puls. Die 100 erreiche ich an solchen Tagen nur selten und so komme ich natürlich auch nicht in Fahrt. Da ich ein paar Minuten nach 7 Uhr los bin, erreiche ich mein Tagesziel trotzdem bereits gegen 13 Uhr. Zeit, einen Kaffee zu trinken um das WiFi eines Hotels zu nutzen. Übernachten will ich hier nicht. Zu viel Luxus hat seine Preis. In diesem Fall 2.500 Baht. Und außerdem fühle ich mich dann nicht wohl. Ganz zu schweigen von der Werbung. "Outdoor", "Abenteuer" und "back to nature" und 5-Sterne-Hotels das geht für mich einfach nicht zusammen. Reinhold Messner hat in seinem Buch "Mein Leben am Limit" das Thema auch schön beschrieben.


"Der Deutsche Alpenverein und Neckarmann organisierten „Abenteuer“ in aller Welt. Kann man Abenteuer organisieren? Ein Erlebnis kaufen? Die Frage stellte sich für mich anders. Was war Voraussetzung dafür, auf dieser unseren ramponierten Welt das zu erleben, was vor hundert Jahren als „Abenteuer“ bezeichnet worden war? Die Neugierde eines Alexander von Humboldt oder die Bereitschaft, streckenweise auf Technik zu verzichten! Der „Abenteurer“ lebt nur dann im Zustand des Wachsens, der Spannung, der Empfindsamkeit, wenn er der Natur als Mensch und nicht als Maschinenmensch gegenübersteht."

 

Das beste Beispiel dafür sind wohl die verchromten und hochglanzpolierten SUVs mit Modellnamen, die Abenteuer suggerieren sollen... Siehe Touareg, Yeti usw.


Außerdem sind mir die Leute, die in solch besseren Ressorts absteigen, alle zu gut angezogen. Typen mit kurzen Hosen und langärmeligen Hemden passen einfach nicht zu Typen mit langen Hosen und kurzärmeligen Hemden ;-).


Also wieder zurück auf die Straße. Keine 500 m später geht es rechts rein, zum nächsten Ressort. Zuerst übersehe ich den Wegweiser und fahre an dem Waldweg vorbei, dann drehe ich um und fahre rein. Doch als ich sehe, wie der Weg ansteigt, verliere ich die Lust weiterzufahren. Also wieder zurück zur Strasse. 10 km später esse ich in einem neuen, offenen Restaurant direkt an der Strasse. Alles ist prima, bis ein Kleinkind anfängt zu quengeln. Das kann ich nicht haben.


Nochmals recherchiere ich verschiedene Unterkünfte und mache dann etwas, was ich eigentlich nie mache: ich drehe um und radel die 10 km wieder zurück. Das Waldressort scheint doch wie für mich geschaffen zu sein. Abgelegen und preiswert. Weit weg von der Strasse. Nur wenige Bungalows, bedeutet auch wenig Menschen.


Als ich ankomme, bin ich zuerst etwas enttäuscht, denn die Anlage, oben auf einem Hügel, sieht deutlich anders aus als im Internet. Und auch wieder so exklusiv. Doch dann sehe ich links von mir ein paar wenige Bungalows. Das passt. Zunächst finde ich keinen Ansprechpartner. Erst im Lebensmittelgeschäft nebenan werde ich fündig. Die Thai zeigt mir den Bungalow und ich bin mal wieder positiv überrascht. Was mir auffällt ist, daß sie ganz in Ruhe unter das auf ungewöhnlich hohen Füßen stehende Bett schaut und auch sonst in alle Ecken.


Dann fällt mir noch auf, daß die Badezimmertür mit einem extra Riegel verschlossen ist. Im Netz habe ich gelesen, daß sich Dschungelbewohner durchaus auch mal in die Behausungen verirren. Daran erinnere ich mich nun wieder. Routine, denke ich mir und bin nicht weiter beunruhigt. Nur die 1.000 Baht sind mir noch zu happig. Also fange ich an zu feilschen und biete 800. Nach ein bißchen handeln willigt sie schließlich ein und ich beziehe mein Quartier.


Ich lege mich auf´s Bett und schaue zum Fenster raus. Mein Blick geht direkt in den Dschungel hinter meiner Hütte. Toll! Das reizt mich natürlich. Also stehe ich nochmals auf und öffne zumindest einen Fensterflügel. Auch der ist doppelt gesichert. Aber weit und breit sehe ich keine Vogelspinne oder ähnlich spektakuläres Getier.

Mir ist jetzt nach einem Nickerchen und heute abend, bei einsetzen der Dämmerung, werde ich mich vor meine Hütte auf die Veranda setzen und mir den Dschungel anhören. Mit Vorfreude döse ich ein.


Fast zwei Stunden später bin ich wieder wach und jetzt habe ich auch Lust mir den Staub der Straße vom Körper zu waschen.


Als ich die Badtüre öffne, begrüßen mich eine Handvoll größere Ameisen. Damit kann ich leben. Während ich unter der Dusche stehe, kommt so nach und nach die eine oder andere weitere Ameise zum Vorschein. Sie krabbeln aus dem Abflussrohr und genau dorthin zurück schwemme ich sie mit meinem Wasserstrahl aus dem Duschkopf. Daß das eine schlechte Idee war, wird mir sofort demonstriert. Wie alarmiert, kommen ganze Heerscharen von diesen Insekten jetzt aus verschiedenen Stellen rund um das Waschbecken und hinter dem Spiegel hervor.

Da bleibt mir nur noch der geordnete Rückzug. Geduscht habe ich, das ist ja mal das Wichtigste. Doch bis ich zur Badezimmertüre komme, sind mir schon die ersten Kameraden vorausgeeilt. Schnell versuche ich die Türe zu verriegeln. Doch erstens gelingt mir das nicht auf Anhieb und zweitens kommen die Tiere durch ein Loch oberhalb des Türrahmens. Sie schlagen zurück. Ich bin der Störenfried und sie wissen wo ich wohne.


Mein "No Bite"-Spray! Vielleicht kann ich sie damit stoppen? Es scheint sie nur nach aggressiver zu machen. Ich kapituliere. Keine Chance. Sie sind klein, flink und nutzen wohl ihre Schwarmintelligenz. Also alles schnell wieder einpacken, viel Zeit bleibt mir nicht. Die ersten krabbeln bereits auf dem Boden Richtung Bett. Da wo meine Klamotten und meine Packtaschen liegen.

Während ich meine gepacktes Reiserad nach vorne Richtung Laden schiebe, habe ich mich bereits entschieden, keinen alternativen Bungalow zu akzeptieren. Mit Händen und Füßen erkläre ich der Thai, wie es in meinem Bungalow aussieht.


Erschrocken schickt sie sofort ihre Tochter in die besetzte Zone und bedeutet mir zu warten. Das mache ich nur kurz aus Höflichkeit. Dann bedanke ich mich und vermittle ihr, daß sie ja keine Schuld daran trägt. Das passiert halt. Wir sind nur zu Gast hier. Sie gibt mir mein Geld zurück und ich radel zurück Richtung Restaurant. Die haben auch Bungalows.

Fazit. Man dreht einfach nicht um. Der erste Gedanke war schon richtig. Intuition. Ein klasse Buch zu diesem Thema habe ich vor Jahren bereits innerhalb weniger Tage förmlich verschlungen. Absolut empfehlenswert. Aber bitte nicht bei Amazon kaufen. Geht zum Buchhändler Eures Vertrauens bei Euch um die Ecke. Ihr kennt keinen? Mein Tipp: Buchladen im Park. Der Daniel ist ein richtig netter Kerl und verkauft auch noch Produkte des fairen Handels. Und gerade sehe ich, daß man dort sogar E-Books kaufen kann. Also, sagt ihm einen Gruß von mir, wenn ihr bei ihm vorbeischaut.

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Kommentare: 1
  • #1

    Frankie (Samstag, 31 Januar 2015 16:22)

    Gruß von Manne, die Kellerstaffel sei so leer.

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