Mit dem Fahrrad allein auf einem Boot

Zunächst ein Nachtrag von Donnerstag: die hängende Zange an meiner Lenkertaschenhalterung habe ich mir kurzerhand in einer Autowerkstatt fachmännisch entfernen lassen.

 

Gestern habe ich meine Ausrüstung ergänzt: Stirnband und Lenkerhalterung für meine GoPro Silver 4 Kamera, ein Minitool und ein Schlüssel für´s Bike zum Kette spannen. Diesmal habe ich den Fahrrad-Laden auch gleich gefunden, nachdem ich mich vorgestern noch etwas "verkehrsbedingt" verfahren habe. Dazu müßt Ihr wissen, daß Bangkok über ein sehr interessantes Einbahnstrassen System (mehrspurig)  verfügt, daß es einem als Radfahrer oft erst nach größeren, zurückgelegten Strecken ermöglicht umzudrehen. Und das unter scheinbar lebensgefährlichen Bedingungen. Ich dreh Euch da mal morgen einen Video...

 

Danach habe ich mich dann ein wenig Richtung Chao-Phraya River vorgetastet. Bin einfach in ein paar Seitenstraßen reingeradelt und habe dadurch auch Bootsanlegestellen entdeckt, was mich heute morgen dazu inspiriert, genau dort weiter zu machen. Kurz nach 8 Uhr gings los. Hatte ein Boot für eine Stunde für mich ganz alleine und das war auch ganz witzig. Nach der Flussfahrt ließ ich mich am Königspalast absetzen und bin da ein bißchen rumgeeiert, aber da wo viele Menschen auf viele Sehenswürdigkeiten treffen, da ist definitiv nicht mein Platz im Leben. Alles zu vorhersehbar und zu statisch. Ich habe mehr Spaß zu beobachten, wie die Thais das Essen mit einer Fingerfertigkeit verpacken, daß es einem Grobmotoriker wie mir das Erstaunen ins Gesicht zaubert. Beim zweiten Mal habe ich es dann kapiert, wie es geht. Danach bin ich rüber in die Khaosan Road - dort wo sich die ganzen "Backpacker" einquartieren und feiern. Kann man sich mal anschauen, ist jetzt aber in etwa wie in Kathmandu-Thamel. Weiter nach Chinatown. Einfach unfassbar was die Chinesen dort auf dem Straßenmarkt alles anbieten. Einfach alles. So kam ich dann auch endlich zu einem Paket Kabelbinder für 40 Baht (1 Euro). Der Rest war sehen, riechen, staunen und genießen. Atmosphäre pur. Verkehrchaos gabs gratis dazu. Witzig: immer wenn ich im Zweifel war, ob man hier noch Radfahren "darf", kam mir irgendein Moped entgegen. Ein Wohltat für meine Seele und mein Gemüt: weit und breit kein Oberlehrer mit dem Hinweis "da darf man nicht fahren!". Leben und leben lassen. Dieses Gefühl hat mich bereits während der Fahrt mit dem Taxi vom Flughafen zum Hostel vereinnahmt und gibt mir ein ruhiges, gutes Gefühl weiterhin viel Zeit in Südostasien zu verbringen. Der Plan mich nach meiner Weltumradlung hier irgendwo niederzulassen, scheint ein guter zu sein.

 

Während ich den Weg zurück in meinen Stadteil Silom "erfahren" habe, konnte ich mich hauptsächlich in Flußnähe und Seitenstraßen aufhalten. Meine Orientierung funktionierte anhand der weithin sichtbaren und markanten Wolkenkratzer. Moderne, urbane Leuchttürme. Ideal wenn man sie zu nutzen weiß. Da ist der leerstehende, bei dem das Geld wohl ausgegangen ist. Der andere mit der goldenen Kuppel. Der, der noch nicht fertig ist aber schon rostet. Meine Freunde, die Wegweiser...

 

So kam ich dann überraschenderweise in Flussnähe in einen Stadtteil, wo alle scheinbar damit beschäftigt waren, Kurbelwellen, Lenkkopfstangen und alle sonst erdenklichen Autoteile zu putzen, sortieren, abzuschleifen, vom Rost zu befreien und was weiß ich noch damit anzustellen. Einfach unvorstellbar mit welcher Akribie dort tagaus, tagein dasselbe getan wird.

 

So wurde die Rückfahrt sehr kurzweilig und endete für mich mal wieder in der Bestätigung kein Navi zu benötigen. Augen auf im Straßenverkehr funktioniert für mich genauso.

 

Die Rückkehr ins Hostel und der Blick in Facebook bestätigte mich dann wieder auf tragische Weise jetzt und hoffentlich auch morgen noch genau das zu tun, was mir persönlich wirklich wichtig erscheint : nett zueinander zu sein, das Leben zu achten, Gutes zu tun, so wenig wie möglich zu arbeiten, jetzt zu leben und nicht auf die Rente zu warten. Susan Kufner, eine Freundin von mir, kann dies nicht mehr tun. Sie wurde am Dienstag, im Alter von 49 Jahren tot in Ihrer Küche gefunden. Wahrscheinliche Todesursache: Herzinfarkt. Ich hatte sie zuletzt vor ein paar Jahren am Kernenturm getroffen, wo sie in Ihrer witzigen Art noch gefrotzelt hatte: "ein paar Kilo zu viel auf den Rippen, Dirk?". Ich werde Dein Lachen vermissen...

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